Was mir jetzt gut tut – Gedanken und Tipps von mir für einen erträglichen Januar.

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1. Ruhepausen gönnen

Auch und gerade für Leute mit Kind ein schwieriges Thema: Ruhepausen gönnen. Und zwar ohne schlechtes Gewissen.

Im Home Office besonders schwer, denn hier lauern überall Energiefresser (schnell mal Wäsche waschen, durchsaugen, ausmisten etc…).

Nehmt euch bewusst die Zeit, mal nichts zu machen. Wenn mein Blick dann auf To Dos fällt, die ich „mal eben schnell“ erledigen könnte, bis das Kind aus dem Kindergarten kommt, packe ich den Gedanken bewusst am Schopf und kämpfe dagegen an. Denn ja, wir sind darauf konditioniert, immer und überall das Maximum aus unserer Zeit rauszuholen. Selbst die kleinsten Verschnaufpausen zu optimieren, ist – zumindest für mich – aber nicht das Richtige. Ich befinde mich sozusagen gerade im Prozess der „Deoptimierung“: Ich möchte nicht mehr den Anspruch von Perfektion an mich und alles um mich herum stellen.

Das ständige Checken, ob alles so ist, wie ich es aus innerem Zwang heraus haben möchte, bringt mich in einen Zustand permanenter Unzufriedenheit. Schluss damit, habe ich mir fürs neue Jahr geschworen. Wenn mein Körper und mein Geist danach schreien, sich mittags nach der Arbeit für eine halbe Stunde hinzulegen, dann mache ich das.

 Gerade Leute, deren Kinder unruhig schlafen, wissen, wovon ich rede. Ein paar Minuten Ruhe bevor die „second shift“ losgeht und du das Kind betreust, können manchmal Wunder wirken, um dich wieder in Balance zu bringen. Gut sollte auch mal gut genug für uns sein – das hört und liest man zwar momentan öfters, aber es für sich selbst umzusetzen ist ziemlich schwer. Probiert es trotzdem mal aus – niemand wird euch dafür verurteilen außer ihr euch selbst. Und dagegen müssen wir angehen!

2. Einfach kommen lassen

Bedürfnisse von Kindern zu erfüllen, gehört mit zum anspruchsvollsten Job, den man als Mensch leisten kann. Irgendwann gerate ich als Mutter in ein Fahrwasser, in dem ich schon vorher erahnen will, was das Kind gleich brauchen könnte. Und versuche mich damit selbst zu überholen.

Die Folge: Hektik und Gereiztheit auf meiner Seite, genervtes Ignorieren auf Kinderseite. Deshalb mein Tipp: Einfach kommen lassen. Wenn das Kind Durst oder Hunger hat, wird es sich (im Normalfall) melden. Gerade Kinder ab 3, 4 Jahren sind schon ganz gut darin, ihre eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren. Wir müssen sie ihnen also nicht ständig in den Mund legen oder vorwegdenken.

3. Let me entertain you (not)

Kinder sind nach dem Kindergarten in der Regel erstmal durch. Mein Kind hat zwar im Weihnachtsurlaub einen Energieschub bekommen und performt jetzt auch mal gut und gerne 14 Stunden ohne Pause durch, aber abends merke ich dann deutlich wie anstrengend der Tag für ihn war. Deshalb: Nicht zuviel vornehmen am Nachmittag. Es kann zwar sein, dass euer Kind sich dann mal über Langeweile beklagt, aber auch die ist ja durchaus sinnvoll. Wer immer gesagt bekommt, was als nächstes zu tun ist, der braucht sich selbst nichts ausdenken.

Stattdessen sollten wir unsere Kleinen ruhig mal ein bisschen „durchhängen“ lassen, denn in der Regel finden sich schon nach wenigen Minuten durchaus neue Spiele und Spielsachen. Es ist also nicht nötig, sich ständig ein Entertainment-Programm auszudenken. Mein Sohn ist gerade in die heiße Phase des Überall-Helfenwollens eingetreten. Wenn mir also gar nichts einfällt, womit wir uns nachmittags beschäftigen könnten, bitte ich ihn, mir im Haushalt zu helfen oder „erfinde“ kleine Jobs für ihn. Der Tisch muss dringend abgewischt werden, das Besteck aus der Spülmaschine sortiert werden etc.

Es ist außerdem normal, dass sich Kinder nach der Kita oder dem Kindergarten nicht mehr längere Zeit auf ein Spiel konzentrieren können. Überlegen wir mal: Die Kleinen haben wenn sie zum Beispiel 5-6 Stunden in Betreuung waren, schon fast einen kompletten „Arbeitstag“ hinter sich. Wie ich mich nach 6-8 Stunden im Großraumbüro mit 15 anderen Personen fühle, don’t ask. So gesehen schon fast wieder ein Wunder, dass mein Sohn überhaupt noch Lust auf soziale Interaktion mit mir hat.

4. Escape from reality – ja bitte!

Her mit kitschigen Filmen, trashigen Serien und fesselnden Hörbüchern. Ich kann gerade gar nicht oft genug in fremde Welten flüchten. Der Realität den Rücken zu kehren und für eine kleine Weile abzutauchen ist wohltuend und gibt neue Energie für die anstrengenden Tage, die vor uns liegen.

Fühlt euch deshalb nicht schlecht, wenn ihr guilty pleasures nachgebt. Solange es euch die Kraft gibt, um weiterzumachen und euren Alltag besser zu bewältigen – bitte sehr. Wie wohltuend es ist, einfach mal was Seichtes im TV anzusehen wenn das Kind im Bett ist.

Kein Mord und Totschlag oder andere schwere Themen, die runterziehen, sondern einfach nur leichte Unterhaltung, die den Körper müde und den Geist ruhig macht. Natürlich sehe ich regelmäßig die Nachrichten, allein schon um coronatechnisch Up to date zu sein. Aber manchmal gönne ich mir auch mal einen Tag Pause vom allesbeherrschenden Thema Covid. Die Realität der Pandemie aka Omikron hat uns sowieso schon wieder eingeholt, obwohl das neue Jahr noch nicht mal drei Wochen alt ist. Gönnt euch also auch mal eine Pause vom Hier und Jetzt, und sucht euch Berieselung aus, die einfach nur gut für die Seele ist.

Hier ein paar Tipps für leichte Kost der letzten Zeit:

-Sisi (die neue Version auf RTL/Sky)

-Kitz (Netflix)

-Madame Mallory und der Duft von Curry (Netflix)

-Pedal the World (Netflix)

-Mein Lehrer der Krake (Netflix)

-The Bold Type (Amazon Prime)

-And Just Like That… ( Sky)

-Emily in Paris (Netflix)

5. Sport, Essen und so weiter

Dieses Jahr habe ich mir gar nicht erst die übliche Liste an guten Neujahrsvorsätzen in den Kopf gehämmert. Denn ich weiß, dass ich sie unter den momentanen Umständen sowieso nicht so umsetzen kann, wie ich es müsste. Vier Mal die Woche Sport zu treiben ist für mich momentan einfach kein realistisches Ziel. Kein Zucker, kein Alkohol, keine Snacks zwischen den Mahlzeiten – schaffe ich nicht. Und möchte ich auch nicht, weil ich gerade jetzt einfach jeden kleinen Kick für mein Belohnungszentrum feiere. Die großen Belohnungen wie Reisen, mit vielen Personen feiern und so weiter müssen momentan ja leider ausfallen.

Mein Zugeständnis an „neues Jahr, neuer Versuch“ ist stattdessen eine andere Strategie. Ich suche mir ein Ziel, das verhältnismäßig leicht zu erreichen ist, und ziehe daraus erstmal Bestätigung. Wenn ich es zum Beispiel schaffe, ein bis zwei Mal die Woche in der Mittagspause 20 Minuten spazieren zu gehen, ist das für mich schon ein beachtlicher Erfolg. Und auf diesem Erfolg lässt sich aufbauen. So sind Misserfolge nicht gleich einprogrammiert, und ich kann auf jeden noch so kleinen Schritt meinem Ziel entgegen stolz sein. Das motiviert mich mehr, als mir ehrgeizige Ziele zu setzen und dann immer wieder kläglich daran zu scheitern. Denn wer dreht schon sein ganzes Leben auf links, wenn er es nicht unbedingt muss?

6. Den Dingen auf den Grund gehen

Manchmal tut es als „Vorsatz“ fürs Jahr gut, hinzusehen und zu erkennen, was in unserem Leben wir ändern können, und was nicht. Die Weisheit, zwischen beiden zu unterscheiden, besitze ich zwar ganz oft noch nicht. Aber ich arbeite daran. Manche Dinge im Leben kann ich ändern, und dann lohnt es sich, dafür zu kämpfen. Andere Dinge sind wie sie sind, und das hat ganz oft gar nicht mal etwas mit uns zu tun.

Die Erkenntnis, dass wir nur auf eine begrenzte Anzahl an Dingen in unserem Leben direkten Einfluss haben, kann auch sehr erleichternd sein. Wir können vielleicht die Art und Weise ändern, wie wir selbst aufs Leben blicken. Können unsere Ängste ansehen und sie besiegen. Wir können darauf Einfluss nehmen, welche Dinge uns wichtig sind und welche unwichtig. Was wir unseren Kindern mitgeben für ihr Leben.

Wir können aber zum Beispiel nicht unseren Partner, unsere Eltern oder Freunde dazu bringen, die Dinge so zu sehen wie wir. Wir können sie nur bitten, sich in uns hineinzuversetzen. Wir können achtsam mit den Menschen umgehen, die wir lieben – und zwar jeden Tag. Und können sie bitten, es mit uns genauso zu machen. Und wir können und sollten uns den anstrengenden Alltag wo es nur geht, so angenehm wie möglich machen. Nicht auf Kosten anderer, aber für uns selbst und mit uns selbst. Wer weiß, was morgen ist, aber heute müssen wir irgendwie durch den Tag kommen.

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