Corona daheim – 10 Tipps, wie ihr durch die Isolation kommt, ohne durchzudrehen

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Der Großteil unserer Bekannten und Freunde hatte es schon, wir jetzt auch, und einem weiteren Teil steht es vermutlich noch bevor – Omikron ist gerade überall. Bei uns waren es elf Tage, die wir „eingesperrt“ zuhause verbracht haben. Hier ein paar Tipps von mir (nicht nur für Eltern), wie man diese Zeit durchstehen kann – vorausgesetzt ihr habt einen „milden Verlauf“ und könnt eure Erkrankung daheim auskurieren.

1: Was du heute kannst besorgen… Klingt zwar lächerlich angesichts unserer Überflussgesellschaft, aber: Wenn Omikron bei euch in der Kita oder dem Bekanntenkreis wütet, und ihr jeden Tag mit einer Infektion rechnen müsst, besorgt euch ein paar Sachen auf Halde. Eine extra Packung Klopapier und Küchenrolle (ja ich weiß, Hamsterkäufe…), ein paar Konserven oder TK-Gerichte erleichtern die erste Zeit enorm. Wenn nämlich alle Familienmitglieder positiv getestet sind, bewahrt das davor, in Panik zu verfallen. Im Notfall gibt es Bringdienste, die euch allem versorgen, aber das geht auf die Dauer auch ins Geld.

2: Someone to relie on: Sucht euch eine befreundete Familie in der Nähe, sprecht mit Freunden, Großeltern oder Nachbarn, und vereinbart mit Ihnen, dass ihr euch im Notfall helft. Es wird zwar der Großteil der Leute wahrscheinlich Hilfe anbieten, aber wenn Ihr wirklich dringend etwas braucht, wendet ihr euch wahrscheinlich eher an die Personen, die in eurer Nähe wohnen. Hier jemanden zu habe, auf den ihr euch verlassen könnt, ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl.

3: Solidarität und Mitgefühl: Wenn Ihr jemanden aus eurem Umfeld kennt, der gerade in dieser Situation ist, bietet ebenfalls eure Hilfe an. Falls es sich um eine ältere Person handelt, kommt wahrscheinlich zu der Isolation auch noch die enorme Angst um die eigene Gesundheit dazu. Das gilt natürlich auch für Personen mit Vorerkrankungen oder Menschen mit Behinderungen. Und wir haben wirklich genügend Menschen in unserer stinkreichen Gesellschaft, die sich vom Staat abgehängt und vergessen fühlen. Nicht Egoismus, sondern Solidarität muss hier das Motto sein. Nur gemeinsam schaffen wir es da durch.

4: Drückt den Pausenbutton, bevor ihr durchdreht. Speziell für Familien: Teilt euch die „Kinderzeit“ auf. Niemand kann 24 Stunden am Tag die Bedürfnisse anderer erfüllen. Gerade wir Frauen neigen jedoch dazu, uns rund um die Uhr für irgendetwas oder irgendjemanden zuständig zu fühlen.

Aber: Jeder braucht mal eine Auszeit, und sei es nur um eine Viertelstunde ungestört auf dem Handy herumzudaddeln. Wenn ein Partner oder eine Partnerin da ist, sprecht euch also ab und macht Zeiten aus, zu denen der jeweils eine oder andere dann auch mal alleine für die Bespaßung des Kindes zuständig ist. Und dann: Türe schließen und mal kurz durchatmen.

Für Alleinerziehende funktioniert dieses Konzept mit dem Abwechseln natürlich nicht, aber vielleicht kann man, sofern das Kind schon etwas größer und verständiger ist, auch kleine „Elternpausen“ einführen. 10 bis 20 Minuten in denen das Kind weiß, diese Zeit gehört jetzt Mama oder Papa, da beschäftige ich mich alleine oder darf meine Lieblingssendung im Fernsehen anschauen. Leichter gesagt als getan, das weiß ich. Ich versuche jedoch meinem Sohn auch gerade beizubringen, dass es auch mal möglich sein muss, Mama in Ruhe den Kaffee trinken zu lassen, bevor wieder gespielt wird.

5: Ein ungefährer Rhythmus gibt ein bisschen Struktur: Es kann schnell passieren, dass ihr in der Corona-Isolation den ganzen Tag im Schlafanzug verbringt und es gar nicht merkt. Nix gegen Tage im Schlafanzug, aber ein minimaler Rhythmus (circa 12 Uhr Mittagessen, circa 18 Uhr Abendessen oder was auch immer euch Halt gibt…) hilft hier enorm – die Tage verschwimmen sowieso irgendwann alle zu einem einzigen.

6: No hurry, no worry. Mir hat es zwar sehr geholfen, wenn in der Wohnung eine gewisse Grundordnung herrschte, aber in so einer Ausnahmesituation weiterhin den Anspruch an sich zu stellen, dass alles picobello aussehen soll, ist meiner Meinung nach Irrsinn. Allein drei Mal am Tag Mahlzeiten bereitzustellen, Wäsche zu waschen, auf- und abzuhängen und den Geschirrspüler gefühlt fünf Mal am Tag laufen zu lassen, kostet schon genug Zeit und Energie, vor allem wenn ihr euch körperlich nicht gut fühlt. Die Kinder, wenn sie etwas größer sind, in die täglichen Handgriffe wie Tisch abwischen oder Besteck in die Schublade räumen mit einzubinden, kann auch eine Möglichkeit sein. Den meisten Kindern macht es einfach Spaß, den Großen zu helfen und eine Aufgabe zu erfüllen.

7: Kurz mal raus, und wenn es nur der Balkon ist: Jetzt wo es wieder wärmer wird, sind natürlich die Leute im Vorteil, die einen Balkon oder Garten haben. Wir haben das große Glück, einen Garten mit angeschlossenem Hof zu haben. Fühlt sich zwar ein bisschen wie Gassigehen an, aber wenn niemand draußen ist, kann man auch mal eine Runde im Hof drehen. Und der eigene Garten und Balkon sind ja sowieso erlaubt, trotz Isolation. Ihr werdet merken, wie sehr diese paar Minuten am Tag einen Unterschied machen. Wenn man schon nicht am öffentlichen Leben teilnehmen darf, kann man sich zumindest kurz raus auf den Balkon setzen und die Leute auf der Straße beobachten – eine kleine Illusion von Freiheit, die aber guttut.

8: Jetzt bloß nicht aufeinander losgehen! Ist ja bekannt, dass Menschen, wenn sie längere Zeit aufeinandersitzen, unweigerlich jede Macke und jeden Fehler des anderen überdeutlich bemerken. Und dass es unweigerlich irgendwann gewaltig kracht. Damit das gerade bei Familien mit Kindern kein Kreislauf des Teufels wird, bei dem man sich am Ende am liebsten scheiden lassen möchte, ist Großmut geboten. Nicht zuletzt kann man sich in Isolation auch leider nicht so wunderbar demonstrativ aus dem Weg gehen nach einem großen Krach…

Es hilft, wenn man sich ab und zu klarmacht: Für die anderen ist es auch kein Zuckerschlecken, und so blöd es klingt, irgendwann ist es vorbei. Dann hat man auch wieder seine nötigen Auszeiten und Freiheiten, und kann mit den Fehlern der anderen besser leben. Und die natürlich auch mit euren.

9: Schnelltesten ist gut und schön – aber reicht manchmal nicht! Auch das macht langsam die Runde: Die Schnelltests aus Apotheken sind nur bedingt dazu geeignet, eine Omikron-Infektion zu erkennen. Bei uns haben die Tests leider komplett versagt – wir testeten uns trotz positivem PCR-Ergebnis immer negativ. Viele Eltern aus unserem Kindergarten haben dasselbe erlebt und vertrauen ebenfalls nicht mehr nur auf die Schnelltests.

Absurd genug, dass in Kita und Kindergarten eigentlich nur auf Schnelltests gesetzt wird, um Infektionen zu erkennen. Bei einigen funktioniert es, bei vielen jedoch nicht. Oft genug kommt es vor, dass das Kind zwar Symptome hat, aber trotzdem kein positiver Schnelltest vorliegt. Die Entscheidung, ob nach einem negativen Schnelltest-Ergebnis auch noch ein PCR-Test gemacht wird, um ganz sicher zu gehen, liegt dann bei den Familien.

10: Gebt euch Zeit, wieder gesund zu werden: Uns haben die körperlichen Symptome von Omikron zwar glücklicherweise nicht tagelang ans Bett gefesselt, aber eine körperliche Belastung war es dennoch. Starke Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Schweißausbrüche und Schüttelfrost haben uns Erwachsenen eine Woche lang das Leben schwer gemacht. Beim Kind war es ein Nachmittag lang erhöhte Temperatur und eine Müdigkeit, die sich über mehrere Tage hinzog und die ich so noch nie bei ihm erlebt hatte.

Und auch wir hatten noch zu kämpfen, nachdem die akuten Symptome abgeklungen waren. Ständige Schlappheit, Kurzatmigkeit, permanenter Ohrendruck, immer wieder auftretende Kopfschmerzen und ein generelles Gefühl von Unwohlsein begleiten mich immer noch durch meinen Alltag, obwohl ich schon längst wieder so „funktionieren“ muss wie vorher.

Der allgemeine Tenor in den Medien, wonach angeblich bei den meisten Betroffenen die Symptome sehr mild sind und nach 3-5 Tagen alles wieder beim Alten ist, sind auch nicht allgemeingültig. Jeder Körper ist anders, deshalb setzt euch nicht auch noch psychisch unter den Druck, möglichst schnell wieder fit sein zu müssen, nur weil ihr vielleicht jemanden kennt, der keine oder kaum Symptome hatte.

Gebt eurem Körper die Zeit, sich zu erholen, wann immer es euch möglich ist. Verausgabt euch nicht zu früh wieder mit Sport oder Fitnessübungen, macht Pausen, versucht soviel es geht zu schlafen und gut und ausgewogen zu essen. Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, aber die ersten Eltern berichten bereits, dass ihre Kinder sich nach einer Pause von circa 4 Wochen erneut mit einer Omikron-Variante angesteckt haben. Wir werden die Kraft also vielleicht noch dringend brauchen!

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