Herbst oder der Zauber des neuen Anfangs

Ali Yasser Arwand

Jeder Herbst löst in mir das gleiche Gefühl aus – das eines Neuanfangs. Die Luft ist wieder klar, und ebenso meine Gedanken. Zeit, ein paar Dinge in meinem Leben auf den Prüfstand zu stellen.

Neue Energie, um weiterzumachen – oder eben nicht

Wie denkt ihr über den Herbst? Was fühlt ihr, wenn draußen die Blätter fallen und die Temperaturen nur noch zur Mittagszeit über 12 Grad klettern? Wenn die erste Wehmut über den vergangenen Sommer und seine Leichtigkeit vergangen ist, macht mir der Herbst ein Geschenk: Ich denke über neue Anfänge nach. Ich spüre in mir wieder neue Energie, um weiterzumachen – oder vielleicht auch, um manches nicht weiterzumachen. Herbstgedanken, sofern sie sich nicht um das schwindende Licht und die stressige Vorweihnachtsorganisation drehen, sind bei mir gute Gedanken.

Um mich herum ist nicht mehr die lähmende Hitze des Sommers, die jeden anstrengenden Gedanken in ein „Später“ verwandelt. Das Später ist jetzt da, die Frage ist nur, was mache ich daraus?

Im Sommer schreit alles in mir nach Erholung

Das schönste Gefühl ist es, wenn sich die neu gewonnene Energie in etwas Schöpferisches, Kreatives verwandelt. In ein „Alles ist möglich, du musst dich nur etwas anstrengen“. Wenn ich nach dem Sommer, in dem alles um mich herum nach Urlaub und Erholung schrie, endlich wieder Träume und Wünsche habe, die über das pure Funktionieren hinausgehen.

Der Herbst lässt mich darüber nachdenken, was mir gerade wichtig ist. Welche Menschen möchte ich in meinem Leben haben? Welche Ziele lohnen sich für mich? Welche Chancen kann ich ergreifen? Was kommt dem Leben, das ich gerne leben möchte, am nächsten? Und welches Privileg ist das, sich überhaupt ein Leben aussuchen zu dürfen.

Lasse ich genug los?

Oft denke ich auch über eingefahrene Beziehungsmuster nach, sowohl in der Ehe als auch in Bezug auf Freunde. Welche Freundschaften sind wirkliche Freundschaften, und auf welche kann ich mich vielleicht nicht so ganz verlassen?

Ist in der Beziehung zu meinem Partner noch Vertrauen, Loyalität und ab und zu Leichtigkeit zu spüren? Die leichten Momente werden weniger, wenn man die Verantwortung für eine Familie gemeinsam trägt und immer wieder aufs Neue aushandelt. Wünsche ich mir mehr Leichtigkeit, und können wir sie vielleicht zusammen wieder herstellen?

Ich frage mich auch, welche Beziehung ich gerade zu meinem Kind habe, und ob es das ist, was ich mir gerade für uns beide wünsche. Ob wir an einem Punkt sind, mit dem ich zufrieden bin, oder ob wir uns für den Moment voneinander entfernen. Ob ich genug loslasse, damit er wachsen kann. Ob er nah genug bei mir ist, um sich sicher zu fühlen.

Was fühlt sich gut an, was sollte sich ändern?

Die Überschrift für alle Fragen lautet: Was fühlt sich gut an, und was sollte sich dringend ändern?

Der Herbst stellt mir viele Fragen, von denen ich die wenigsten sofort beantworten kann. Herbstlicht ist ein Schummerlicht, milchig und manchmal auch ein bisschen unheimlich. Dahinter zeichnen sich Schemen ab, die ich erst sehen kann, wenn ich näherkomme. Ich weiß aber, ich muss den Zauber eines neuen Anfangs genießen, solange er da ist. Die Neugier darauf, was die letzten Monate des Jahres mir noch bringen werden. Viel zu schnell ist diese Energie oft wieder verflogen.

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