Hallo 2023 du kleines Biest…

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So, jetzt ist es schon wieder fast Februar. Die letzten Wochen waren eine ziemliche Talfahrt, daher war es hier auch etwas ruhiger. Meine Gesundheit wurde nochmal richtig auf die Probe gestellt, sowohl physisch als auch mental war da einiges dabei, auf das ich lieber verzichtet hätte.

Einfach mal Ruhe geben – gar nicht so einfach

Nun geht es gesundheitlich endlich wieder bergauf und ich fühle mich nach Wochen und Wochen des kranken Herumsandelns wieder wie ich selbst, ohne Hals- oder Kopfweh, Schwindel oder Schnupfnase. Wie lang das gutgehen wird? Keine Ahnung, aber ein Gutes hatte die erzwungene Pause nach Weihnachten – ich musste einfach mal Ruhe geben. Was trotzdem immer dabei war, waren die Schuldgefühle, weil mein Mann sich nun weitgehend allein um Kind und Haushalt kümmern musste.

Warum das schlechte Gewissen? Ich glaube, das ist einfach ein Resultat der Gesellschaft, in der wir leben: Wenn wir nicht produktiv und nützlich sein können, erfüllen wir unseren „Zweck“ nicht. Eine Einstellung, die wir vor allem wir Frauen dermaßen verinnerlicht haben, dass wir sie kaum noch abstellen können.

Erst wenn die Alarmleuchten dunkelrot leuchten, wird uns vielleicht langsam klar, dass es nicht unser alleiniger Nutzen im Leben ist, etwas für andere zu tun. Sei es jetzt im beruflichen Kontext, oder im privaten: wir müssen nicht immer nur liefern, wir dürfen auch einfach mal nur sein. Nur existieren und wenn nötig, heilen. Uns nach innen richten, und nicht immer nur für das Außen zuständig fühlen.

Prio 1 ganz ohne Rechtfertigung

Von wem wir uns diese innere Ruhe abgucken können? Ihr ahnt es vielleicht, von den Männern in unserem Umfeld. Die wissen durch Erziehung und dank der sehr männerfreundlichen Strukturen in unserer Welt, dass sie durchaus das Recht haben, sich selbst auch mal für eine längere Zeit als Prio 1 zu sehen – und zwar ganz ohne Schuldgefühle oder Rechtfertigungsdruck.

Das ist gut und richtig, und so sollten wir es auch machen. Leichter gesagt als getan, ich weiß. Aber das ist ein Ziel, an dem ich 2023 arbeiten werde: Mich passend zu meinem (krank verbrachten) 40. Geburtstag mal auf das zu konzentrieren, was mich weiterbringt. Dinge wegzulassen, die mir nicht guttun.

Apropos, die 40… vor diesem Geburtstag hatte ich lange Zeit Angst. Weil es – zumindest in den Köpfen vieler Menschen – ein endgültiger Abschied von der heutzutage sowieso schon bis in die 30er hinein verlängerten Jugend ist.

Stärker und freier als früher

Sagen tut diese Zahl natürlich nicht viel über uns aus. Ich kenne viele wundervolle Frauen in ihren 40ern, die stärker, schöner und freier sind, als sie es vermutlich in ihren 20ern und 30ern jemals waren. Und die aber trotzdem oft mit ihrem Alter hadern, weil es eben ein Einschnitt ist, wenn man rein statistisch gesehen die Hälfte seines Lebens schon hinter sich hat.

Mich mit dieser Zahl anzufreunden und das 41. Lebensjahr zu „meinem“ Jahr zu machen, wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern. Aber die Zeit nehme ich mir – für mich selbst. Und vielleicht wird 2023 ja dann wirklich mein Jahr…

War’s das jetzt mit der Pandemie?

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Draußen wird es langsam richtig frühlingshaft, und dementsprechend kommt wieder ein bisschen mehr Leichtigkeit in den Alltag. Dennoch – da war doch was… ist die Pandemie jetzt eigentlich vorbei?

Neue Regeln, alte Gespräche

Die zwei vergangenen Pandemiejahre fühlten sich an wie ein nie endendes Déja-Vu aus steigenden und fallenden und wieder steigenden Infektionskurven, immer neuen Regeln, die irgendwann so schnell auf einander folgten dass keiner mehr nachkam, immer denselben oder ähnlichen Gesprächen über die Pandemie und durchgehend dem Gefühl, dass wir Eltern mit Corona allein gelassen wurden.

Bestätigt wurde das, als wir und viele, viele Menschen in unserem Umfeld sich mit Corona und seinen diversen Unterarten ansteckten. Letzten Endes war niemand erstaunt oder schockiert, sondern im Gegenteil, alle (zumindest die Leute, die Kontakt zu Kindern haben) hatten es irgendwie erwartet.

Bald fällt die Testpflicht ganz weg

Klar, in einer Kindergartengruppe von 23 kleinen Menschen wird vom Magen-Darm-Virus bis zur Seuche eben alles weitergegeben.Und das wird wohl noch eine Weile so weitergehen. Ab Mai fällt die Testpflicht für Kindergartenkinder weg.

Aber das Gefühl, dass von Seiten der Politik gleichgültig mit der Gefahr der Ansteckung der Kleinsten (und damit auch ihrer Eltern und der Großeltern) kalkuliert wurde, bleibt einfach. Ein Vertrauensverlust, der auch durch kleine Tropfen auf den heißen Stein (hier und da mal eine einmalige Erhöhung des Kindergeldes oder gratis Schnelltests) nicht wettgemacht werden konnte.

Männer verschaffen Männern Vorteile

Leider bleibt bei mir auch einmal mehr das Gefühl, dass eine hauptsächlich von Männern gemachte Politik unweigerlich wieder die von Männern dominierten Sektoren der Gesellschaft bevorteilt – während alle anderen schauen können, wo sie bleiben. Ja, wir hatten eine sehr lange Zeit eine Kanzlerin an der Spitze unseres Landes, aber eine einzelne Frau gegen eine ganze Armada von Männern kann eben auch keine Sch… zu Gold machen.

Der Kapitalismus hat in der Pandemie ganz offen sein Gesicht gezeigt: Es fing an mit solidarischem Klatschen für die Pfleger_innen und endete bei Maskendeals in Millionenhöhe. Und dazwischen so unendliche viele erschöpfte Frauen, die sich während Corona krank gemanaged haben als „Leiterinnen eines erfolgreichen kleinen Familienunternehmens“, wie es damals in der Vorwerk-Werbung so liebevoll hieß.

Wie hätte Olaf das alles wohl gehandelt?

Kleiner Gedanke am Rande: Wie hätte die jetzige Regierung unter Olaf Scholz wohl die Anfänge der Pandemie gehandelt? Olaf und seine Kollegen wursteln sich grad so durch, während am Rande von Europa Panzer in Stellung gehen. Bald werden auch deutsche Panzer darunter sein.

Und nun? Nun wurde die Pandemie mehr oder weniger von offizieller Seite für beendet erklärt, uns allen wird die Rückkehr zur weitgehenden Normalität quasi verordnet. Wer noch kein gutes Bauchgefühl bei der ganzen Sache hat, der hat – Pech. Denn die Masken fallen, die Innenstädte sind voll wie eh und je, die Clubs auch, und die Fußballstadien sowieso.

Corona hat seinen Schrecken verloren

Dass das mit den Nachrichten aus meinem Umfeld über mehr und mehr Corona-Infektionen nicht ganz zusammenpasst, scheint niemanden zu stören. Oder wie es neulich ein Kollege in einer Zoom-Konferenz formulierte: „Corona hat irgendwie seinen Schrecken verloren.“ Die Menschen, die sich Long Covid eingefangen haben und jeden Morgen beim Aufstehen erstmal nach Atem ringen, dürften das wohl anders sehen.

Die Pandemie im Kopf bleibt

Niemand will die Unkenrufe von Gesundheitsminister Lauterbach hören, der für den Herbst etwas drastisch eine „Killervariante“ von Corona herbei prognostiziert. Und momentan sind eh all eyes on Ukraine.

Ich jedenfalls kann mich von dieser Pandemie im Kopf noch nicht ganz verabschieden. Das Abstandhalten, Verzichten, Maske tragen und vorsichtig sein hat sich zu sehr eingebrannt in mein Denken und Fühlen. Umarmt wird von mir nur, wer geimpft ist. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht im Herbst ein neues, altes Déja-Vu auf uns wartet.

Kindergeburtstag – so gelingt er (möglichst) stressfrei

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Gerade ist unser Kleiner 4 Jahre alt geworden, und zum ersten Mal haben wir eine richtige Party für ihn veranstaltet. Coronabedingt konnten wir die letzten Jahre nicht mit mehreren Personen feiern, aber dieses Jahr wollten wir ihm die Freude an einer kleinen Feier einfach nicht nehmen. Zu ernst sind die Zeiten, und unsere Kinder haben die letzten zwei Jahre schon so viel mitgemacht. Da kam eine kleine Ablenkung gerade recht. Ein paar Erkenntnisse aus unserer Geburtstagsfeier und auch ein paar Erfahrungen von den Geburtstagsfeiern anderer Kids möchte ich hier mit euch teilen.

Wer kommt auf die Gästeliste?

Wenn ihr Kinder im Alter zwischen 2 und 5 Jahren habt, habt ihr wahrscheinlich eh bemerkt, dass der Ehrentitel „bester Freund“ oder „beste Freundin“ quasi im Stundentakt neu vergeben wird. Mit vielleicht einigen Ausnahmen ist der Freundeskreis eines Kleinkindes noch sehr volatil und wechselt ständig. Anstatt also alle potentiell besten Freund_innen einzuladen, haben wir uns auf eine Handvoll Kinder beschränkt, mit denen er momentan zu tun hat – und auch Kindern, die wir im privaten Umfeld öfters um uns haben und mit deren Eltern uns eine Freundschaft verbindet.

Sicherlich hätten wir noch einige Familien mehr einladen können, aber das kann man ja im Sommer bei angenehmeren Temperaturen in einem nahegelegenen Park oder im Hof nachholen. Die Faustregel, ungefähr so viele Kids einzuladen wie das jeweilige Kind alt wird, finde ich jedenfalls nicht schlecht. Vielen Kindern wird’s nämlich sonst auch zu viel. Besonders wenn ihr bei euch daheim feiert, ist es für euer Kind erstmal eine ganz schöne Herausforderung, die Gastkinder mit den heißgeliebten Spielsachen spielen zu lassen.

Mama und Papa am Rande des Nervenzusammenbruchs?

So ein Geburtstag für mehrere Personen macht richtig viel Arbeit. Und wenn man sich schon mit selbstgebackenem Kuchen (muss natürlich nicht sein!), crazy Deko und einzeln verpackten Geschenken selbst in den Mental-Load-Wahnsinn treibt, dann bitte wenigstens mit dem Partner oder der Partnerin, lieben Freunden oder vielleicht Oma und Opa zusammen. Geteiltes Geburtstagsleid ist halbes Leid. Und 25 Tütchen für die Kindergartengruppe packen ist eben mal nicht schnell nebenbei erledigt.

Dann wurden bei uns noch Getränke/Essen für die Erwachsenen gekauft, Deko-Artikel beschafft und die Wohnung ein bisschen auf Vordermann gebracht und halbwegs kindersicher gemacht. Und die ganze Chose soll ja auch nach der Party wieder abgebaut und aufgeräumt werden. Daher ist Arbeit aufteilen beim Kindergeburtstag das A und O! Wir haben den kleinen Mann sogar am Vorabend bei den Großeltern übernachten lassen, um in Ruhe alles vorbereiten zu können.

Kind XY isst nur vegan, gluten- und zuckerfrei

Ich für meinen Teil habe nicht explizit alle Nahrungsmittelunverträglichkeiten abgefragt, sondern darauf vertraut, dass mir die Eltern von sich aus Bescheid sagen, wenn ihr Kind beim Genuss von Haselnuss-Schokokuchen Ballonohren bekommt. Natürlich kann es nicht schaden, nochmal kurz zu fragen ob jeder alles essen darf (war bei uns zum Glück der Fall), aber ein vegan-glutenfreies Festmahl für einzelne Kinder auf den Tisch zu zaubern, ist dann schon die Masterclass der Gastgeberkunst und würde uns schlichtweg überfordern.

Als Ergänzung zum üppigen Kuchen gab es bei uns einfach ein paar Karotten- und Gurkensticks mit auf den Tisch, und ein Teil der abendlichen Pizza war fleischlos. Die Kids waren eh so ins Spiel vertieft, dass die meiste Zeit nur Baguette-Scheibchen im Vorbeirennen (ja, böses Weizenmehl!) gereicht wurden.

Es mögen die Spiele beginnen?

Um es kurz zu machen: Nicht bei uns. Ich für meinen Teil bin selbst kein Fan von Gesellschaftsspielen, hatte mir aber schon Gedanken gemacht, ob man gegen aufkommende Langeweile bei den Kindern ein paar altbewährte Partykracher heraussucht. Allerdings hat der Nachmittag dann gezeigt, dass Kinder in dem Alter (oder zumindest die Jungs) keinerlei vorgegebenen Spielideen brauchen.

Der Hype der Party, die festlich geschmückte Wohnung und die Geschenke sind schon „Programm“ genug gewesen für unsere Partygäste. Selbst wenn wir es unbedingt gewollt hätten, wäre es uns wahrscheinlich nicht gelungen, irgendeine Art von Spielprogramm durchzuziehen. Und falls ihr euch für eine Mottoparty à la Piraten, Unterwasserwelt, Einhorn-Prinzessinnenparty oder dergleichen entscheidet, findet ihr sicher jede Menge Anregungen für passende Spiele und Verkleidungen in den Weiten des Internets.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass es für etwas größere Kinder (und wenn Corona vorbei ist und wir uns irgendwann wieder „normal“ bewegen können) durchaus Sinn macht, den Geburtstag auszulagern und mit den Kindern zusammen ins Marionettentheater oder in die Kletterhalle zu gehen. Ein heißer Tipp aus meiner Familie für größere Kinder, der wahrscheinlich besonders die Jungs begeistert wird: für einen Nachmittag einen Platz zum Fußballspielen mieten und die Kinder einfach gemeinsam kicken lassen.

Irgendwann kommt der Meltdown

So sehr man sich auch Gedanken macht über die optimale Länge so einer Geburtstagsparty, ich habe die Erfahrung gemacht, dass jedes Geburtstagskind irgendwann mal kurz einen Punkt der Überforderung erreicht. Dann einfach da sein, kurz trösten, vielleicht auch mal rausnehmen aus dem Geschehen und dafür sorgen, dass keine totale Überreizung eintritt. Kurz ablenken, Essen und trinken anbieten oder auf Toilette gehen, bevor alles „heißläuft“.

Das ist zwar nicht ganz einfach, aber gerade für die Kinder, die die letzten Jahre coronabedingt keine größeren Kindergruppen bei sich zuhause empfangen konnten, kann es eine wohltuende kurze Pause sein. Schließlich ist das eigene Zimmer für die meisten Kids ein Heiligtum, das nur ausgewählte Personen betreten dürfen – ganz zu schweigen davon, wer wann wie mit den eigenen Spielsachen spielen darf. 

Es erfordert von unseren Kids ganz schön viel Kooperationsbereitschaft und Selbstbeherrschung, die Spielsachen gleich mit mehreren anderen Kindern zu teilen. Manche kleinen Geburtstagsgäste gehen mit den Sachen des Gastgeberkindes auch nicht besonders rücksichtsvoll um – da können schon mal Tränchen fließen. Macht euch daher auch keine Sorgen, wenn das gemeinsame Spiel nicht gleich 100 % harmonisch abläuft. In der Regel sucht sich jedes Kind ein bevorzugtes Spielzeug, und irgendwann finden sich dann die Kinder mit ähnlichen Interessen – ein bisschen wie im Kindergarten eben.

Dasselbe ist es bei den Eltern…

Falls ihr die Eltern der Kinder mit eingeladen habt, oder die Kinder noch nicht groß genug sind, um allein auf der Party zu bleiben, macht euch keinen Stress. Ihr schmeißt die Party in erster Linie für die Kids, die Eltern sind in dem Fall nur „schmückendes Beiwerk“. Und erfahrungsgemäß finden sich über die Kinder schnell gemeinsame Themen, die man bei einem Glas Sekt und einem Stück Kuchen bequatschen kann.

Meine größte Erkenntnis war also: Bloß nicht zu sehr stressen und sich selbst mit Erwartungen unter Druck setzen. Für euer Kind wird es so oder so ein ganz besonderer Tag werden – und das allein, weil es Geschenke bekommt, im Mittelpunkt steht und die Freunde zum Spielen da sind.

Corona daheim – 10 Tipps, wie ihr durch die Isolation kommt, ohne durchzudrehen

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Der Großteil unserer Bekannten und Freunde hatte es schon, wir jetzt auch, und einem weiteren Teil steht es vermutlich noch bevor – Omikron ist gerade überall. Bei uns waren es elf Tage, die wir „eingesperrt“ zuhause verbracht haben. Hier ein paar Tipps von mir (nicht nur für Eltern), wie man diese Zeit durchstehen kann – vorausgesetzt ihr habt einen „milden Verlauf“ und könnt eure Erkrankung daheim auskurieren.

1: Was du heute kannst besorgen… Klingt zwar lächerlich angesichts unserer Überflussgesellschaft, aber: Wenn Omikron bei euch in der Kita oder dem Bekanntenkreis wütet, und ihr jeden Tag mit einer Infektion rechnen müsst, besorgt euch ein paar Sachen auf Halde. Eine extra Packung Klopapier und Küchenrolle (ja ich weiß, Hamsterkäufe…), ein paar Konserven oder TK-Gerichte erleichtern die erste Zeit enorm. Wenn nämlich alle Familienmitglieder positiv getestet sind, bewahrt das davor, in Panik zu verfallen. Im Notfall gibt es Bringdienste, die euch allem versorgen, aber das geht auf die Dauer auch ins Geld.

2: Someone to relie on: Sucht euch eine befreundete Familie in der Nähe, sprecht mit Freunden, Großeltern oder Nachbarn, und vereinbart mit Ihnen, dass ihr euch im Notfall helft. Es wird zwar der Großteil der Leute wahrscheinlich Hilfe anbieten, aber wenn Ihr wirklich dringend etwas braucht, wendet ihr euch wahrscheinlich eher an die Personen, die in eurer Nähe wohnen. Hier jemanden zu habe, auf den ihr euch verlassen könnt, ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl.

3: Solidarität und Mitgefühl: Wenn Ihr jemanden aus eurem Umfeld kennt, der gerade in dieser Situation ist, bietet ebenfalls eure Hilfe an. Falls es sich um eine ältere Person handelt, kommt wahrscheinlich zu der Isolation auch noch die enorme Angst um die eigene Gesundheit dazu. Das gilt natürlich auch für Personen mit Vorerkrankungen oder Menschen mit Behinderungen. Und wir haben wirklich genügend Menschen in unserer stinkreichen Gesellschaft, die sich vom Staat abgehängt und vergessen fühlen. Nicht Egoismus, sondern Solidarität muss hier das Motto sein. Nur gemeinsam schaffen wir es da durch.

4: Drückt den Pausenbutton, bevor ihr durchdreht. Speziell für Familien: Teilt euch die „Kinderzeit“ auf. Niemand kann 24 Stunden am Tag die Bedürfnisse anderer erfüllen. Gerade wir Frauen neigen jedoch dazu, uns rund um die Uhr für irgendetwas oder irgendjemanden zuständig zu fühlen.

Aber: Jeder braucht mal eine Auszeit, und sei es nur um eine Viertelstunde ungestört auf dem Handy herumzudaddeln. Wenn ein Partner oder eine Partnerin da ist, sprecht euch also ab und macht Zeiten aus, zu denen der jeweils eine oder andere dann auch mal alleine für die Bespaßung des Kindes zuständig ist. Und dann: Türe schließen und mal kurz durchatmen.

Für Alleinerziehende funktioniert dieses Konzept mit dem Abwechseln natürlich nicht, aber vielleicht kann man, sofern das Kind schon etwas größer und verständiger ist, auch kleine „Elternpausen“ einführen. 10 bis 20 Minuten in denen das Kind weiß, diese Zeit gehört jetzt Mama oder Papa, da beschäftige ich mich alleine oder darf meine Lieblingssendung im Fernsehen anschauen. Leichter gesagt als getan, das weiß ich. Ich versuche jedoch meinem Sohn auch gerade beizubringen, dass es auch mal möglich sein muss, Mama in Ruhe den Kaffee trinken zu lassen, bevor wieder gespielt wird.

5: Ein ungefährer Rhythmus gibt ein bisschen Struktur: Es kann schnell passieren, dass ihr in der Corona-Isolation den ganzen Tag im Schlafanzug verbringt und es gar nicht merkt. Nix gegen Tage im Schlafanzug, aber ein minimaler Rhythmus (circa 12 Uhr Mittagessen, circa 18 Uhr Abendessen oder was auch immer euch Halt gibt…) hilft hier enorm – die Tage verschwimmen sowieso irgendwann alle zu einem einzigen.

6: No hurry, no worry. Mir hat es zwar sehr geholfen, wenn in der Wohnung eine gewisse Grundordnung herrschte, aber in so einer Ausnahmesituation weiterhin den Anspruch an sich zu stellen, dass alles picobello aussehen soll, ist meiner Meinung nach Irrsinn. Allein drei Mal am Tag Mahlzeiten bereitzustellen, Wäsche zu waschen, auf- und abzuhängen und den Geschirrspüler gefühlt fünf Mal am Tag laufen zu lassen, kostet schon genug Zeit und Energie, vor allem wenn ihr euch körperlich nicht gut fühlt. Die Kinder, wenn sie etwas größer sind, in die täglichen Handgriffe wie Tisch abwischen oder Besteck in die Schublade räumen mit einzubinden, kann auch eine Möglichkeit sein. Den meisten Kindern macht es einfach Spaß, den Großen zu helfen und eine Aufgabe zu erfüllen.

7: Kurz mal raus, und wenn es nur der Balkon ist: Jetzt wo es wieder wärmer wird, sind natürlich die Leute im Vorteil, die einen Balkon oder Garten haben. Wir haben das große Glück, einen Garten mit angeschlossenem Hof zu haben. Fühlt sich zwar ein bisschen wie Gassigehen an, aber wenn niemand draußen ist, kann man auch mal eine Runde im Hof drehen. Und der eigene Garten und Balkon sind ja sowieso erlaubt, trotz Isolation. Ihr werdet merken, wie sehr diese paar Minuten am Tag einen Unterschied machen. Wenn man schon nicht am öffentlichen Leben teilnehmen darf, kann man sich zumindest kurz raus auf den Balkon setzen und die Leute auf der Straße beobachten – eine kleine Illusion von Freiheit, die aber guttut.

8: Jetzt bloß nicht aufeinander losgehen! Ist ja bekannt, dass Menschen, wenn sie längere Zeit aufeinandersitzen, unweigerlich jede Macke und jeden Fehler des anderen überdeutlich bemerken. Und dass es unweigerlich irgendwann gewaltig kracht. Damit das gerade bei Familien mit Kindern kein Kreislauf des Teufels wird, bei dem man sich am Ende am liebsten scheiden lassen möchte, ist Großmut geboten. Nicht zuletzt kann man sich in Isolation auch leider nicht so wunderbar demonstrativ aus dem Weg gehen nach einem großen Krach…

Es hilft, wenn man sich ab und zu klarmacht: Für die anderen ist es auch kein Zuckerschlecken, und so blöd es klingt, irgendwann ist es vorbei. Dann hat man auch wieder seine nötigen Auszeiten und Freiheiten, und kann mit den Fehlern der anderen besser leben. Und die natürlich auch mit euren.

9: Schnelltesten ist gut und schön – aber reicht manchmal nicht! Auch das macht langsam die Runde: Die Schnelltests aus Apotheken sind nur bedingt dazu geeignet, eine Omikron-Infektion zu erkennen. Bei uns haben die Tests leider komplett versagt – wir testeten uns trotz positivem PCR-Ergebnis immer negativ. Viele Eltern aus unserem Kindergarten haben dasselbe erlebt und vertrauen ebenfalls nicht mehr nur auf die Schnelltests.

Absurd genug, dass in Kita und Kindergarten eigentlich nur auf Schnelltests gesetzt wird, um Infektionen zu erkennen. Bei einigen funktioniert es, bei vielen jedoch nicht. Oft genug kommt es vor, dass das Kind zwar Symptome hat, aber trotzdem kein positiver Schnelltest vorliegt. Die Entscheidung, ob nach einem negativen Schnelltest-Ergebnis auch noch ein PCR-Test gemacht wird, um ganz sicher zu gehen, liegt dann bei den Familien.

10: Gebt euch Zeit, wieder gesund zu werden: Uns haben die körperlichen Symptome von Omikron zwar glücklicherweise nicht tagelang ans Bett gefesselt, aber eine körperliche Belastung war es dennoch. Starke Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Schweißausbrüche und Schüttelfrost haben uns Erwachsenen eine Woche lang das Leben schwer gemacht. Beim Kind war es ein Nachmittag lang erhöhte Temperatur und eine Müdigkeit, die sich über mehrere Tage hinzog und die ich so noch nie bei ihm erlebt hatte.

Und auch wir hatten noch zu kämpfen, nachdem die akuten Symptome abgeklungen waren. Ständige Schlappheit, Kurzatmigkeit, permanenter Ohrendruck, immer wieder auftretende Kopfschmerzen und ein generelles Gefühl von Unwohlsein begleiten mich immer noch durch meinen Alltag, obwohl ich schon längst wieder so „funktionieren“ muss wie vorher.

Der allgemeine Tenor in den Medien, wonach angeblich bei den meisten Betroffenen die Symptome sehr mild sind und nach 3-5 Tagen alles wieder beim Alten ist, sind auch nicht allgemeingültig. Jeder Körper ist anders, deshalb setzt euch nicht auch noch psychisch unter den Druck, möglichst schnell wieder fit sein zu müssen, nur weil ihr vielleicht jemanden kennt, der keine oder kaum Symptome hatte.

Gebt eurem Körper die Zeit, sich zu erholen, wann immer es euch möglich ist. Verausgabt euch nicht zu früh wieder mit Sport oder Fitnessübungen, macht Pausen, versucht soviel es geht zu schlafen und gut und ausgewogen zu essen. Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, aber die ersten Eltern berichten bereits, dass ihre Kinder sich nach einer Pause von circa 4 Wochen erneut mit einer Omikron-Variante angesteckt haben. Wir werden die Kraft also vielleicht noch dringend brauchen!

Was mir jetzt gut tut – Gedanken und Tipps von mir für einen erträglichen Januar.

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1. Ruhepausen gönnen

Auch und gerade für Leute mit Kind ein schwieriges Thema: Ruhepausen gönnen. Und zwar ohne schlechtes Gewissen.

Im Home Office besonders schwer, denn hier lauern überall Energiefresser (schnell mal Wäsche waschen, durchsaugen, ausmisten etc…).

Nehmt euch bewusst die Zeit, mal nichts zu machen. Wenn mein Blick dann auf To Dos fällt, die ich „mal eben schnell“ erledigen könnte, bis das Kind aus dem Kindergarten kommt, packe ich den Gedanken bewusst am Schopf und kämpfe dagegen an. Denn ja, wir sind darauf konditioniert, immer und überall das Maximum aus unserer Zeit rauszuholen. Selbst die kleinsten Verschnaufpausen zu optimieren, ist – zumindest für mich – aber nicht das Richtige. Ich befinde mich sozusagen gerade im Prozess der „Deoptimierung“: Ich möchte nicht mehr den Anspruch von Perfektion an mich und alles um mich herum stellen.

Das ständige Checken, ob alles so ist, wie ich es aus innerem Zwang heraus haben möchte, bringt mich in einen Zustand permanenter Unzufriedenheit. Schluss damit, habe ich mir fürs neue Jahr geschworen. Wenn mein Körper und mein Geist danach schreien, sich mittags nach der Arbeit für eine halbe Stunde hinzulegen, dann mache ich das.

 Gerade Leute, deren Kinder unruhig schlafen, wissen, wovon ich rede. Ein paar Minuten Ruhe bevor die „second shift“ losgeht und du das Kind betreust, können manchmal Wunder wirken, um dich wieder in Balance zu bringen. Gut sollte auch mal gut genug für uns sein – das hört und liest man zwar momentan öfters, aber es für sich selbst umzusetzen ist ziemlich schwer. Probiert es trotzdem mal aus – niemand wird euch dafür verurteilen außer ihr euch selbst. Und dagegen müssen wir angehen!

2. Einfach kommen lassen

Bedürfnisse von Kindern zu erfüllen, gehört mit zum anspruchsvollsten Job, den man als Mensch leisten kann. Irgendwann gerate ich als Mutter in ein Fahrwasser, in dem ich schon vorher erahnen will, was das Kind gleich brauchen könnte. Und versuche mich damit selbst zu überholen.

Die Folge: Hektik und Gereiztheit auf meiner Seite, genervtes Ignorieren auf Kinderseite. Deshalb mein Tipp: Einfach kommen lassen. Wenn das Kind Durst oder Hunger hat, wird es sich (im Normalfall) melden. Gerade Kinder ab 3, 4 Jahren sind schon ganz gut darin, ihre eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren. Wir müssen sie ihnen also nicht ständig in den Mund legen oder vorwegdenken.

3. Let me entertain you (not)

Kinder sind nach dem Kindergarten in der Regel erstmal durch. Mein Kind hat zwar im Weihnachtsurlaub einen Energieschub bekommen und performt jetzt auch mal gut und gerne 14 Stunden ohne Pause durch, aber abends merke ich dann deutlich wie anstrengend der Tag für ihn war. Deshalb: Nicht zuviel vornehmen am Nachmittag. Es kann zwar sein, dass euer Kind sich dann mal über Langeweile beklagt, aber auch die ist ja durchaus sinnvoll. Wer immer gesagt bekommt, was als nächstes zu tun ist, der braucht sich selbst nichts ausdenken.

Stattdessen sollten wir unsere Kleinen ruhig mal ein bisschen „durchhängen“ lassen, denn in der Regel finden sich schon nach wenigen Minuten durchaus neue Spiele und Spielsachen. Es ist also nicht nötig, sich ständig ein Entertainment-Programm auszudenken. Mein Sohn ist gerade in die heiße Phase des Überall-Helfenwollens eingetreten. Wenn mir also gar nichts einfällt, womit wir uns nachmittags beschäftigen könnten, bitte ich ihn, mir im Haushalt zu helfen oder „erfinde“ kleine Jobs für ihn. Der Tisch muss dringend abgewischt werden, das Besteck aus der Spülmaschine sortiert werden etc.

Es ist außerdem normal, dass sich Kinder nach der Kita oder dem Kindergarten nicht mehr längere Zeit auf ein Spiel konzentrieren können. Überlegen wir mal: Die Kleinen haben wenn sie zum Beispiel 5-6 Stunden in Betreuung waren, schon fast einen kompletten „Arbeitstag“ hinter sich. Wie ich mich nach 6-8 Stunden im Großraumbüro mit 15 anderen Personen fühle, don’t ask. So gesehen schon fast wieder ein Wunder, dass mein Sohn überhaupt noch Lust auf soziale Interaktion mit mir hat.

4. Escape from reality – ja bitte!

Her mit kitschigen Filmen, trashigen Serien und fesselnden Hörbüchern. Ich kann gerade gar nicht oft genug in fremde Welten flüchten. Der Realität den Rücken zu kehren und für eine kleine Weile abzutauchen ist wohltuend und gibt neue Energie für die anstrengenden Tage, die vor uns liegen.

Fühlt euch deshalb nicht schlecht, wenn ihr guilty pleasures nachgebt. Solange es euch die Kraft gibt, um weiterzumachen und euren Alltag besser zu bewältigen – bitte sehr. Wie wohltuend es ist, einfach mal was Seichtes im TV anzusehen wenn das Kind im Bett ist.

Kein Mord und Totschlag oder andere schwere Themen, die runterziehen, sondern einfach nur leichte Unterhaltung, die den Körper müde und den Geist ruhig macht. Natürlich sehe ich regelmäßig die Nachrichten, allein schon um coronatechnisch Up to date zu sein. Aber manchmal gönne ich mir auch mal einen Tag Pause vom allesbeherrschenden Thema Covid. Die Realität der Pandemie aka Omikron hat uns sowieso schon wieder eingeholt, obwohl das neue Jahr noch nicht mal drei Wochen alt ist. Gönnt euch also auch mal eine Pause vom Hier und Jetzt, und sucht euch Berieselung aus, die einfach nur gut für die Seele ist.

Hier ein paar Tipps für leichte Kost der letzten Zeit:

-Sisi (die neue Version auf RTL/Sky)

-Kitz (Netflix)

-Madame Mallory und der Duft von Curry (Netflix)

-Pedal the World (Netflix)

-Mein Lehrer der Krake (Netflix)

-The Bold Type (Amazon Prime)

-And Just Like That… ( Sky)

-Emily in Paris (Netflix)

5. Sport, Essen und so weiter

Dieses Jahr habe ich mir gar nicht erst die übliche Liste an guten Neujahrsvorsätzen in den Kopf gehämmert. Denn ich weiß, dass ich sie unter den momentanen Umständen sowieso nicht so umsetzen kann, wie ich es müsste. Vier Mal die Woche Sport zu treiben ist für mich momentan einfach kein realistisches Ziel. Kein Zucker, kein Alkohol, keine Snacks zwischen den Mahlzeiten – schaffe ich nicht. Und möchte ich auch nicht, weil ich gerade jetzt einfach jeden kleinen Kick für mein Belohnungszentrum feiere. Die großen Belohnungen wie Reisen, mit vielen Personen feiern und so weiter müssen momentan ja leider ausfallen.

Mein Zugeständnis an „neues Jahr, neuer Versuch“ ist stattdessen eine andere Strategie. Ich suche mir ein Ziel, das verhältnismäßig leicht zu erreichen ist, und ziehe daraus erstmal Bestätigung. Wenn ich es zum Beispiel schaffe, ein bis zwei Mal die Woche in der Mittagspause 20 Minuten spazieren zu gehen, ist das für mich schon ein beachtlicher Erfolg. Und auf diesem Erfolg lässt sich aufbauen. So sind Misserfolge nicht gleich einprogrammiert, und ich kann auf jeden noch so kleinen Schritt meinem Ziel entgegen stolz sein. Das motiviert mich mehr, als mir ehrgeizige Ziele zu setzen und dann immer wieder kläglich daran zu scheitern. Denn wer dreht schon sein ganzes Leben auf links, wenn er es nicht unbedingt muss?

6. Den Dingen auf den Grund gehen

Manchmal tut es als „Vorsatz“ fürs Jahr gut, hinzusehen und zu erkennen, was in unserem Leben wir ändern können, und was nicht. Die Weisheit, zwischen beiden zu unterscheiden, besitze ich zwar ganz oft noch nicht. Aber ich arbeite daran. Manche Dinge im Leben kann ich ändern, und dann lohnt es sich, dafür zu kämpfen. Andere Dinge sind wie sie sind, und das hat ganz oft gar nicht mal etwas mit uns zu tun.

Die Erkenntnis, dass wir nur auf eine begrenzte Anzahl an Dingen in unserem Leben direkten Einfluss haben, kann auch sehr erleichternd sein. Wir können vielleicht die Art und Weise ändern, wie wir selbst aufs Leben blicken. Können unsere Ängste ansehen und sie besiegen. Wir können darauf Einfluss nehmen, welche Dinge uns wichtig sind und welche unwichtig. Was wir unseren Kindern mitgeben für ihr Leben.

Wir können aber zum Beispiel nicht unseren Partner, unsere Eltern oder Freunde dazu bringen, die Dinge so zu sehen wie wir. Wir können sie nur bitten, sich in uns hineinzuversetzen. Wir können achtsam mit den Menschen umgehen, die wir lieben – und zwar jeden Tag. Und können sie bitten, es mit uns genauso zu machen. Und wir können und sollten uns den anstrengenden Alltag wo es nur geht, so angenehm wie möglich machen. Nicht auf Kosten anderer, aber für uns selbst und mit uns selbst. Wer weiß, was morgen ist, aber heute müssen wir irgendwie durch den Tag kommen.

Lasst es euch eine Leere sein!

Gedanklich ist die Zeit nach Weihnachten bis Silvester bei mir irgendwo zwischen nachträglich einsetzender Weihnachts-Erschöpfung und einem Gefühl des Stillstands angesiedelt. Jedes Jahr wieder ist das eine Geduldsprobe. Warum wir uns alle so schwer damit tun, Leere auszuhalten.

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Was habt ihr so gemacht? Wie habt ihr die Feiertage verbracht? Diese Frage stellen wir in diesen Tagen wahrscheinlich fast jedem, mit dem wir auf irgendeine Art Kontakt halten. Die Feiertage: Die große Endjahres-Verheißung, die dieses Jahr etwas weniger verheißungsvoll ausgefallen ist wegen Corona und der vor Weihnachten neu entdeckten Omikron-Variante des Virus.

Eine Mischung aus Vorfreude und Überforderung

Bei mir löst das Wort Feiertage immer noch eine diffuse Mischung aus Vorfreude, Aufregung und Überforderung aus. Der Teil in mir, der Kind geblieben ist, fiebert seit Wochen dem vermeintlichen Höhepunkt des Jahres entgegen.

Der erwachsene Teil in mir, der Mutter und als solche für viele Dinge verantwortlich ist, die rund um und an Weihnachten passieren, reagiert mit: Oh nein, schon?? Die innere To-do-Liste blinkt auf, und die Wehmut darüber, dass ein weiteres Jahr an uns vorübergerauscht ist als wäre es nichts.

Die heile Welt, die wir uns wünschen

Die erwachsenen Anteile in mir sorgen dafür, dass der Baum steht, dass der Sekt kalt ist, und massenweise niedliche Tüten für niedliche Geschenke „auf Halde“ gebunkert sind. Alle verbliebenen Energien gehen nochmal für diese einzigartige Performance, für diese kindgerechte Inszenierung der heilen Welt drauf, die wir uns alle so sehr wünschen. Die ich meinem Kind so sehr wünsche. Die frisch gekauften Schnelltests habe ich tief in der Schublade der Kommode verstaut. Einen Abend lang möchte ich so wenig wie möglich an all das denken, möchte mich nur daran freuen, wie sich mein Kind freut.

Und dann ist Weihnachten vorbei, der erste Feiertag, und auch der zweite. Die Zeit „zwischen den Jahren“ beginnt. Für mich heißt das, die Zeit zwischen den Gefühlen. Die große Sause ist vorbei, es steht zwar noch Silvester bevor, aber für das Kind und auch für uns ist das kein besonderer Tag. Der Optimismus des neuen Jahres lässt noch auf sich warten, aber die alte Hülle aus Erschöpfung, Routine und „Scheiß drauf“ ist noch nicht ganz abgestreift. Eine Eidechse mitten in der Häutung, zur Geduld verdammt.

Stillstand ist angesagt

Jedes Jahr muss ich das aufs Neue lernen, mich einfach mal leer zu fühlen. Keine große Gefühle zu spüren, die alles andere übertünchen, sondern kleine, bescheidene. Ein Warteraum der Seele, man blättert etwas gelangweilt im inneren Fotoalbum und kann es kaum erwarten, das Herz und den Kopf mit neuen Eindrücken und Bildern zu füttern. Aber: Stillstand ist angesagt. Niemand, wirklich niemand den ich kenne, macht zwischen den Jahren große Pläne oder hat einen besonders vollen Terminkalender.

Alles hängt in der Luft, alles Wichtige ist gesagt, alle Fronten sind geklärt. Zwischen den Jahren fängt man keine Kriege an, man zieht sich in seinen Schützengraben zurück und stellt sich tot. Bis das neue Jahr aus allen Rohren zu feuern beginnt.

Wir haben ein paar bescheidene Eckpunkte

Niemand kann uns sagen, was 2022 uns bringen wird. Wir haben ein paar verlässliche, hinreichend bescheidene Eckpunkte: Corona wird nicht verschwinden. Die Klimaerwärmung wird nicht verschwinden. Alltag und Arbeitsdruck werden nicht verschwinden. Chronische Überlastung von Müttern wird nicht von einen Tag auf den anderen verschwinden. Systematische Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen und Mädchen überall auf der Welt – wird nicht verschwinden, wenn wir nichts dagegen tun.

Aber aus der Leere zwischen den Jahren kann auch neue Kraft wachsen.

Fangen wir doch einfach klein und bei uns an.

Fangen wir klein und bei uns an

Vielleicht gibts ein paar mehr Brückentage im neuen Jahr.

Vielleicht macht die neue Regierung ein paar Sachen richtig, die die alte falsch gemacht hat.

Vielleicht haben wir die Kraft, mit Partner_innen und Freund_innen einen Neuanfang zu wagen, wo sich alte Wunden einfach nicht schließen wollten.

Vielleicht lassen wir uns zwischendurch einfach mal gedanklich von der kurzen Leine, und quälen uns und andere nicht mit zu hohen Erwartungen und Ansprüchen.

Vielleicht stehen wir im neuen Jahr besser und fester zu unseren Überzeugungen und Wünschen.

Vielleicht haben wir eine Chance auf einen relativ unbeschwerten Sommer trotz Corona.

Vielleicht gehen wir ein paar Dinge an, vor denen wir uns gefürchtet haben, und stellen fest dass es keinen Grund dazu gab, sich zu fürchten.

Aber jetzt – lassen wir einfach mal die Leere zu. Den Blank Space zwischen Ende und Neuanfang. Die Leere zwischen den Jahren.

Wütend sein, ja oder nein?

Weibliche Wut: Dass es sowas gibt, und dass diese Wut sogar ziemlich groß werden kann – dieses Bewusstsein sickert in der Gesellschaft nur langsam durch. Die Wut vor allem von Müttern ist nämlich immer noch etwas, das die Mütter bitte mit sich selbst ausmachen sollen.

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Mein Sohn war diese Woche mit einer entzündeten Lippe zuhause. Die Ärztin hatte uns gesagt, das kommt vom Knibbeln. Immer wieder hatte ich meinen Sohn zurechtgewiesen, ihn gebeten, nicht daran zu zupfen. Und nun: entzündete, geschwollene, blutverkrustete Oberlippe, mehrere Tage lang erhöhte Temperatur und Fieber. Laune im Keller, schlaflose Nächte, Eltern am Anschlag, Großeltern höchst besorgt. Und ach ja – Home Office nebenbei natürlich.

Vier Tage lang waren ich und mein Sohn ununterbrochen zusammen, jede Sekunde, auch nachts lagen ich oder mein Mann bei ihm. Dennoch klebte er hauptsächlich an mir, denn ich rannte, machte und tat alles, damit es ihm besser ging. Schnitt Obst in Mini-Stückchen, und fütterte ihn wie ein Meerschweinchen damit, zog ihm selbstgekochte Hühnersuppe in eine dicke Spritze und flößte ihm auf diese Weise Flüssigkeit ein, als er vor Schmerzen den Mund nicht bewegen konnte.

Nach vier Tagen zuhause kam die Wut

Schlief nachts auf 20 Zentimetern, damit er neben mir genug Platz hat in seinem unruhigen, fiebrigen Schlaf. Hielt ihn nachmittags mit Puzzles, Schokolade, Büchern und auch ziemlich viel Youtube Kids bei Laune. Schmierte zwischendurch immer wieder die geschwollene Lippe ein, ging mit ihm aufs Klo, kochte abends noch das Essen.

Und dann, nachdem ich vier Tage lang das Haus nicht verlassen hatte, kam die Wut. Ich hatte ihn nachmittags lange schlafen lassen, um mir selbst mal eine Pause zu gönnen. Abends bekam ich die Quittung – ich saß von halb 9 bis kurz vor 10 an seinem Bett, erzählte eine Gutenacht-Geschichte nach der anderen.

Einfach nichts mehr hören

Er gähnte und gähnte, konnte aber nicht in den Schlaf finden. Kam dann auf die Idee, seine Bettdecke aus dem Bett zu strampeln und sich mitten im Zimmer auf den Boden zu legen. Die folgenden fünf Minuten kann ich nur mit Magenschmerzen beschreiben. Ich schrie ihn an, schrie ihm meine ganze Erschöpfung und Frustration ins Gesicht.

Warf ihm vor, dass ich den ganzen Tag für ihn da gewesen sei. Und jetzt willst du zum Dank dafür nicht einschlafen? Hob ihn hoch und setzte ihn in sein Bett zurück. Er schrie, ich solle ihn in Ruhe lasse, dann ging ich aus dem Zimmer. Drinnen schrie er weiter. Ich ignorierte es. Legte mich einfach auf mein Bett und hörte nichts mehr.

Nach der Wut kommt die Scham

Nach der Wut kommt als Mutter immer die Scham. Wenige Sekunden nach meinem Wutausbruch dachte ich sofort an die Nachbarn über uns, die sicherlich jedes meiner bösen Worte gehört hatten. Ich schämte mich vor mir selbst, vor ihnen, vor meinem Sohn, im Grunde vor der ganzen Welt. Ich schämte mich, weil ich meinem Sohn, der so viel kleiner und schwächer ist als ich, ungezügelt meine Wut gezeigt hatte. Und ich schämte mich, weil ich diesen kurzen Moment des Kontrollverlustes, des völligen Loslassens und Rauslassens meiner Emotionen, genossen hatte. Weil ich mich für ein paar Sekunden endlich wieder wie ich selbst gefühlt hatte. Wie ein Mensch, der wütend ist. Eigentlich die normalste Sache der Welt, sollte man meinen.

Es gibt mittlerweile viele Frauen, die ihre Wut in guten und aufwühlenden Texten beschrieben haben. Das ist wichtig, denn nur so können wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass auch Frauen „nur“ Menschen sind. Warum ist es aber für uns Mütter so verdammt schwer, einfach nur Menschen zu sein?

Elfenprinzessin oder böser Zauberer?

Bei mir ist es so: Jedes Mal, wenn ich wütend bin auf mein Kind, und ihn das spüren lasse, stelle ich mir vor, dass sein Weltbild bröckelt. Seine Mutter, der Engel ohne Flügel – eine wütende Furie, die ihm vielleicht sogar Angst macht. Erst ist Mama eine Elfenprinzessin mit unendlicher Geduld, dann wird sie auf einmal zu Saruman und lässt ihre Orks los. Ich stelle dann auch mich selbst als Mutter in Frage, meine Liebe zu meinem Sohn. Eine monumentale Entzauberung, oder? Eine Entzauberung, für die ich nicht verantwortlich sein möchte, es aber dennoch bin.

Dass große Wut und grenzenlose Liebe sehr wohl nebeneinander und gleichzeitig in uns Menschen existieren können, das ist schon lange bekannt und wird eigentlich allen zugestanden, bloß den Müttern nicht.

Ein bisschen ist diese Entzauberung wie der Moment, wenn wir als Teenager unsere Eltern endlich in einem realististischen Licht sehen. Fast immer müde, vielleicht zerstritten, oft genervt, teilweise vom Leben desillusioniert. Von Entscheidungen überfordert. Und so oft auf dem falschen Dampfer was ihre Pläne für unser Leben anging. Neben der Fassungslosigkeit, dass unsere Eltern, und vor allem unsere Mütter, Menschen aus Fleisch und Blut sind, bemerken wir aber vielleicht auch ein anderes Gefühl: Erleichterung. Denn wenn unsere Mütter und Väter nicht perfekt sind, warum zum Teufel sollten wir es dann sein müssen?

Mimose, Weichei und Co.

Auch hier: Viel Arbeitsbedarf, besonders bei Mädchen. Erwachsenen Frauen (und auch Männern) meiner Generation wurde als Kindern oft gesagt, dass sie sich nicht so anstellen sollen. Das Wort „Mimose“ flog mir früher immer dann an den Kopf, wenn ich für ein Mädchen unerwünschte Gefühle wie Wut oder Trotz zeigte. Bei den Jungs war es andersherum: Sie durften nicht zu weich, zu nachgiebig oder vorsichtig sein, sonst drohte der Ausschluss aus der männlichen Welt.

Als erwachsene Frau entkommt man diesem Vorwurf leider immer noch nicht. Gibt es doch genug Männer, die Drama im Anmarsch sehen, wenn Frauen ihre Fassade fallen lassen und echte Gefühle zeigen. Oder wenn sie einfach nur im Alltag ihre persönlichen Grenzen zeigen und verteidigen. „Hysterisch“, „Sensibelchen“ und so weiter – Frauen haben angeblich immer ein zu viel an Gefühlen. Und erst recht wir Mütter, die permanent im Hormonrausch agierende weinerliche Unterart der normalen Frau.

Das Weibliche weicht von der Norm ab

Dass immer noch viele Männer das so empfinden, kann ich mir nur so erklären, dass sie automatisch alles, das von ihren eigenen, auf Sparsamkeit getrimmten Emotionen abweicht, als „anders“, „zuviel“ und damit überfordernd empfinden. So wie eben immer schon das Weibliche als das Andere, das von der männlichen Norm abweichende angesehen wird. Wie toxisch es auf der Welt werden kann, wenn erwachsene Männer an der Macht sind, die als Kinder keine echten Gefühle zeigen durften, davon möchte ich gar nicht erst anfangen.

Nachdem sein Vater zu ihm ins Zimmer kam und beruhigend auf ihn einsprach, ging ich nochmal hinein zu meinem völlig aufgelösten Sohn. Der alte Leitsatz „Gehe niemals zerstritten ins Bett“ schoss mir durch den Kopf. Ich wollte seine und meine Welt wieder kitten. Er wollte mich nicht sehen, schickte mich aus dem Zimmer. Ich erklärte ihm, wie müde ich sei, und dass ich darum so geschrien hätte. Ich zeigte ihm mein wahres, erschöpftes, ehrliches Gesicht. Und sagte ihm „Ich hab dich lieb“. Er hörte mir aufmerksam zu. Wir umarmten uns, und er schlief endlich ein. Ich goss mir in der Küche ein Glas Wein ein und rauchte draußen eine Zigarette. Über mir toste der erste Wintersturm.