Kindergeburtstag – so gelingt er (möglichst) stressfrei

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Gerade ist unser Kleiner 4 Jahre alt geworden, und zum ersten Mal haben wir eine richtige Party für ihn veranstaltet. Coronabedingt konnten wir die letzten Jahre nicht mit mehreren Personen feiern, aber dieses Jahr wollten wir ihm die Freude an einer kleinen Feier einfach nicht nehmen. Zu ernst sind die Zeiten, und unsere Kinder haben die letzten zwei Jahre schon so viel mitgemacht. Da kam eine kleine Ablenkung gerade recht. Ein paar Erkenntnisse aus unserer Geburtstagsfeier und auch ein paar Erfahrungen von den Geburtstagsfeiern anderer Kids möchte ich hier mit euch teilen.

Wer kommt auf die Gästeliste?

Wenn ihr Kinder im Alter zwischen 2 und 5 Jahren habt, habt ihr wahrscheinlich eh bemerkt, dass der Ehrentitel „bester Freund“ oder „beste Freundin“ quasi im Stundentakt neu vergeben wird. Mit vielleicht einigen Ausnahmen ist der Freundeskreis eines Kleinkindes noch sehr volatil und wechselt ständig. Anstatt also alle potentiell besten Freund_innen einzuladen, haben wir uns auf eine Handvoll Kinder beschränkt, mit denen er momentan zu tun hat – und auch Kindern, die wir im privaten Umfeld öfters um uns haben und mit deren Eltern uns eine Freundschaft verbindet.

Sicherlich hätten wir noch einige Familien mehr einladen können, aber das kann man ja im Sommer bei angenehmeren Temperaturen in einem nahegelegenen Park oder im Hof nachholen. Die Faustregel, ungefähr so viele Kids einzuladen wie das jeweilige Kind alt wird, finde ich jedenfalls nicht schlecht. Vielen Kindern wird’s nämlich sonst auch zu viel. Besonders wenn ihr bei euch daheim feiert, ist es für euer Kind erstmal eine ganz schöne Herausforderung, die Gastkinder mit den heißgeliebten Spielsachen spielen zu lassen.

Mama und Papa am Rande des Nervenzusammenbruchs?

So ein Geburtstag für mehrere Personen macht richtig viel Arbeit. Und wenn man sich schon mit selbstgebackenem Kuchen (muss natürlich nicht sein!), crazy Deko und einzeln verpackten Geschenken selbst in den Mental-Load-Wahnsinn treibt, dann bitte wenigstens mit dem Partner oder der Partnerin, lieben Freunden oder vielleicht Oma und Opa zusammen. Geteiltes Geburtstagsleid ist halbes Leid. Und 25 Tütchen für die Kindergartengruppe packen ist eben mal nicht schnell nebenbei erledigt.

Dann wurden bei uns noch Getränke/Essen für die Erwachsenen gekauft, Deko-Artikel beschafft und die Wohnung ein bisschen auf Vordermann gebracht und halbwegs kindersicher gemacht. Und die ganze Chose soll ja auch nach der Party wieder abgebaut und aufgeräumt werden. Daher ist Arbeit aufteilen beim Kindergeburtstag das A und O! Wir haben den kleinen Mann sogar am Vorabend bei den Großeltern übernachten lassen, um in Ruhe alles vorbereiten zu können.

Kind XY isst nur vegan, gluten- und zuckerfrei

Ich für meinen Teil habe nicht explizit alle Nahrungsmittelunverträglichkeiten abgefragt, sondern darauf vertraut, dass mir die Eltern von sich aus Bescheid sagen, wenn ihr Kind beim Genuss von Haselnuss-Schokokuchen Ballonohren bekommt. Natürlich kann es nicht schaden, nochmal kurz zu fragen ob jeder alles essen darf (war bei uns zum Glück der Fall), aber ein vegan-glutenfreies Festmahl für einzelne Kinder auf den Tisch zu zaubern, ist dann schon die Masterclass der Gastgeberkunst und würde uns schlichtweg überfordern.

Als Ergänzung zum üppigen Kuchen gab es bei uns einfach ein paar Karotten- und Gurkensticks mit auf den Tisch, und ein Teil der abendlichen Pizza war fleischlos. Die Kids waren eh so ins Spiel vertieft, dass die meiste Zeit nur Baguette-Scheibchen im Vorbeirennen (ja, böses Weizenmehl!) gereicht wurden.

Es mögen die Spiele beginnen?

Um es kurz zu machen: Nicht bei uns. Ich für meinen Teil bin selbst kein Fan von Gesellschaftsspielen, hatte mir aber schon Gedanken gemacht, ob man gegen aufkommende Langeweile bei den Kindern ein paar altbewährte Partykracher heraussucht. Allerdings hat der Nachmittag dann gezeigt, dass Kinder in dem Alter (oder zumindest die Jungs) keinerlei vorgegebenen Spielideen brauchen.

Der Hype der Party, die festlich geschmückte Wohnung und die Geschenke sind schon „Programm“ genug gewesen für unsere Partygäste. Selbst wenn wir es unbedingt gewollt hätten, wäre es uns wahrscheinlich nicht gelungen, irgendeine Art von Spielprogramm durchzuziehen. Und falls ihr euch für eine Mottoparty à la Piraten, Unterwasserwelt, Einhorn-Prinzessinnenparty oder dergleichen entscheidet, findet ihr sicher jede Menge Anregungen für passende Spiele und Verkleidungen in den Weiten des Internets.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass es für etwas größere Kinder (und wenn Corona vorbei ist und wir uns irgendwann wieder „normal“ bewegen können) durchaus Sinn macht, den Geburtstag auszulagern und mit den Kindern zusammen ins Marionettentheater oder in die Kletterhalle zu gehen. Ein heißer Tipp aus meiner Familie für größere Kinder, der wahrscheinlich besonders die Jungs begeistert wird: für einen Nachmittag einen Platz zum Fußballspielen mieten und die Kinder einfach gemeinsam kicken lassen.

Irgendwann kommt der Meltdown

So sehr man sich auch Gedanken macht über die optimale Länge so einer Geburtstagsparty, ich habe die Erfahrung gemacht, dass jedes Geburtstagskind irgendwann mal kurz einen Punkt der Überforderung erreicht. Dann einfach da sein, kurz trösten, vielleicht auch mal rausnehmen aus dem Geschehen und dafür sorgen, dass keine totale Überreizung eintritt. Kurz ablenken, Essen und trinken anbieten oder auf Toilette gehen, bevor alles „heißläuft“.

Das ist zwar nicht ganz einfach, aber gerade für die Kinder, die die letzten Jahre coronabedingt keine größeren Kindergruppen bei sich zuhause empfangen konnten, kann es eine wohltuende kurze Pause sein. Schließlich ist das eigene Zimmer für die meisten Kids ein Heiligtum, das nur ausgewählte Personen betreten dürfen – ganz zu schweigen davon, wer wann wie mit den eigenen Spielsachen spielen darf. 

Es erfordert von unseren Kids ganz schön viel Kooperationsbereitschaft und Selbstbeherrschung, die Spielsachen gleich mit mehreren anderen Kindern zu teilen. Manche kleinen Geburtstagsgäste gehen mit den Sachen des Gastgeberkindes auch nicht besonders rücksichtsvoll um – da können schon mal Tränchen fließen. Macht euch daher auch keine Sorgen, wenn das gemeinsame Spiel nicht gleich 100 % harmonisch abläuft. In der Regel sucht sich jedes Kind ein bevorzugtes Spielzeug, und irgendwann finden sich dann die Kinder mit ähnlichen Interessen – ein bisschen wie im Kindergarten eben.

Dasselbe ist es bei den Eltern…

Falls ihr die Eltern der Kinder mit eingeladen habt, oder die Kinder noch nicht groß genug sind, um allein auf der Party zu bleiben, macht euch keinen Stress. Ihr schmeißt die Party in erster Linie für die Kids, die Eltern sind in dem Fall nur „schmückendes Beiwerk“. Und erfahrungsgemäß finden sich über die Kinder schnell gemeinsame Themen, die man bei einem Glas Sekt und einem Stück Kuchen bequatschen kann.

Meine größte Erkenntnis war also: Bloß nicht zu sehr stressen und sich selbst mit Erwartungen unter Druck setzen. Für euer Kind wird es so oder so ein ganz besonderer Tag werden – und das allein, weil es Geschenke bekommt, im Mittelpunkt steht und die Freunde zum Spielen da sind.

Achtung, der Helikopter kommt!

Warum stellen wir Mütter (und Väter?) uns immer so schnell in Frage, wenn andere Konzepte, Vorstellungen und Erwartungen auf die unseren prallen? So geschehen diese Woche im Kindergarten meines Sohnes.

Gummibärchen zum Abschied

Mein Sohn hatte nach dem Urlaub große Probleme, sich wieder an den Gedanken eines Kindergarten-Alltags zu gewöhnen. Er weigerte sich morgens, aus dem Haus zu gehen. Mein Mann und ich versuchten mit schmerzendem Herzen, ihm den Abschied so leicht wie möglich zu machen. Gummibärchen und Schokobons wanderten in Kinderhände, es half trotzdem nichts.

Als mein Mann ihn mit Müh und Not morgens abgeliefert hatte, blieben wir beide ratlos und mit einem unguten Gefühl in der Magengegend zurück.

Mittags beim Abholen hieß es dann, mein Sohn hätte den Tag im Kindergarten sehr gut gemeistert und Spaß gehabt. Allerdings sollten wir das Abgeben morgens nicht unnötig in die Länge ziehen, einfach kurz verabschieden und gehen, da wir es dem Kind sonst nur unnötig schwer machten.

Dieses Thema verfolgt uns schon seit den ersten Kita-Tagen. Ist es TOO MUCH, sich bei seinem Kind noch richtig verabschieden zu wollen? Ist es vielleicht sogar ein Zeichen von unnötiger Schwäche, nochmal in den Arm zu nehmen, zu drücken, zu beruhigen, wenn das Kind sich partout nicht trennen kann oder will?

Wieviel ist zuviel?

Immer wieder bekommen wir Eltern von den Erzieherinnen das Gefühl des TOO MUCH vermittelt, wenn auch durch die Blume. Zuweilen komme ich mir vor wie eine Hundebesitzerin, die ihren geliebten Vierbeiner im Tierheim abgeben soll und verzweifelt versucht, sein klägliches Jaulen nicht zu hören.

Nicht zögern, Stärke zeigen, keine Gefühle nach außen lassen sondern: einfach gehen. Das Kind in der für es gerade negativen, vielleicht sogar bedrohlichen Situation zurücklassen. Mein Mann konnte das diese Woche nicht. Und ich? Ich hätte es auch nicht gekonnt, sondern bin stattdessen froh, dass das Abholen mittags keine Abschieds- sondern eine Wiedersehenssituation ist.

Als ich der Erzieherin erklärte, dass bereits bei uns Zuhause schlechte Stimmung herrschte und unser Sohn offensichtlich nicht aufbrechen wollte, nickte sie nur gleichgültig. Für sie offenbar kein Grund, ein Drama zu machen.

Als sie mich dann auch noch darauf hinwies, dass mein Sohn immer „sehr lange“ brauchen würde, um sich für das Spielen im Garten anzuziehen, platzte mir unter meiner Maske der Kragen. Ich erklärte ihr, dass ich kein Problem darin sähe, wenn ein dreieinhalb Jahre altes Kind zum Anziehen von Jacke und Schuhen etwas länger bräuchte. Dass ich mir für meinen Sohn Unterstützung wünsche. Und dass unsere Priorität momentan nicht beim Jackenanziehen läge, sondern darin, dass er sich im Kindergarten gut und sicher fühlt.

Bin ich eine Helikopter-Mutter?

Die Erzieherin war offensichtlich von meiner Reaktion überrrascht und wurde sofort defensiv. Sie hätte mich ja nur darauf hinweisen wollen. Irgendwie bekam ich zum Abschied noch halbwegs die Kurve und ging mit hochrotem Kopf und einem stillen Kind an der Hand nach Hause. War ich nun eine Helikopter-Mutter? Mein Mann ein Helikopter-Dad?

Für Eltern kleiner Kinder gibt es momentan kaum ein abwertenderes Wort als „Helikoptereltern“. Niemand möchte sich nachsagen lassen, er oder sie könne sich vom Kind nicht abgrenzen, wenn es nötig ist. Keiner möchte wie eine Klette an seinem Kind hängen und es in seiner Entwicklung behindern.

Zugegeben, wenn es Zuhause schnell(er) gehen soll, helfe ich meinem Sohn in die Turnschuhe und halte für ihn die Jacke fest, damit er in die Ärmel kommt. Mein Mann verabschiedet sich im Kindergarten jeden Morgen mit Küsschen und Umarmung von unserem Sohn, und bleibt auch ein paar Sekunden an der Tür stehen, wenn dem Kleinen der Abschied schwer fällt. Bisher kam mir auch nie der Gedanke, dass das falsch sein könnte.

Alle wunderten sich über die Kindergärtnerin

Natürlich fragte ich an dem Tag auch andere Eltern, wie sie die Situation einschätzten. Alle gaben mir Recht. Sie hätten es auch nicht übers Herz gebracht, nach einem schwierigen Morgen einfach zu gehen. Und wunderten sich über die Ansprüche der Kindergärtnerin an ein Kleinkind.

Dachten wir nicht, wir hätten die „Kinder dürfen nicht verweichlichen“-Pädagogik der Nachkriegsjahre hinter uns gelassen? Warum trifft es uns dann so, wenn uns ein ZUVIEL an Liebe und Fürsorge unterstellt wird? Und trotzdem kämpfen wir wie die Löwen, wenn wir das Gefühl haben, unserem Kind wird unrecht getan. Ich bin gespannt, ob dieses Gefühl nachlässt, wenn das Kind älter wird – oder ob wir eben für immer mit diesem Zwiespalt leben müssen, und einfach irgendwann lernen, loszulassen.