Hallo 2023 du kleines Biest…

picture: pexels/Efrem Efre

So, jetzt ist es schon wieder fast Februar. Die letzten Wochen waren eine ziemliche Talfahrt, daher war es hier auch etwas ruhiger. Meine Gesundheit wurde nochmal richtig auf die Probe gestellt, sowohl physisch als auch mental war da einiges dabei, auf das ich lieber verzichtet hätte.

Einfach mal Ruhe geben – gar nicht so einfach

Nun geht es gesundheitlich endlich wieder bergauf und ich fühle mich nach Wochen und Wochen des kranken Herumsandelns wieder wie ich selbst, ohne Hals- oder Kopfweh, Schwindel oder Schnupfnase. Wie lang das gutgehen wird? Keine Ahnung, aber ein Gutes hatte die erzwungene Pause nach Weihnachten – ich musste einfach mal Ruhe geben. Was trotzdem immer dabei war, waren die Schuldgefühle, weil mein Mann sich nun weitgehend allein um Kind und Haushalt kümmern musste.

Warum das schlechte Gewissen? Ich glaube, das ist einfach ein Resultat der Gesellschaft, in der wir leben: Wenn wir nicht produktiv und nützlich sein können, erfüllen wir unseren „Zweck“ nicht. Eine Einstellung, die wir vor allem wir Frauen dermaßen verinnerlicht haben, dass wir sie kaum noch abstellen können.

Erst wenn die Alarmleuchten dunkelrot leuchten, wird uns vielleicht langsam klar, dass es nicht unser alleiniger Nutzen im Leben ist, etwas für andere zu tun. Sei es jetzt im beruflichen Kontext, oder im privaten: wir müssen nicht immer nur liefern, wir dürfen auch einfach mal nur sein. Nur existieren und wenn nötig, heilen. Uns nach innen richten, und nicht immer nur für das Außen zuständig fühlen.

Prio 1 ganz ohne Rechtfertigung

Von wem wir uns diese innere Ruhe abgucken können? Ihr ahnt es vielleicht, von den Männern in unserem Umfeld. Die wissen durch Erziehung und dank der sehr männerfreundlichen Strukturen in unserer Welt, dass sie durchaus das Recht haben, sich selbst auch mal für eine längere Zeit als Prio 1 zu sehen – und zwar ganz ohne Schuldgefühle oder Rechtfertigungsdruck.

Das ist gut und richtig, und so sollten wir es auch machen. Leichter gesagt als getan, ich weiß. Aber das ist ein Ziel, an dem ich 2023 arbeiten werde: Mich passend zu meinem (krank verbrachten) 40. Geburtstag mal auf das zu konzentrieren, was mich weiterbringt. Dinge wegzulassen, die mir nicht guttun.

Apropos, die 40… vor diesem Geburtstag hatte ich lange Zeit Angst. Weil es – zumindest in den Köpfen vieler Menschen – ein endgültiger Abschied von der heutzutage sowieso schon bis in die 30er hinein verlängerten Jugend ist.

Stärker und freier als früher

Sagen tut diese Zahl natürlich nicht viel über uns aus. Ich kenne viele wundervolle Frauen in ihren 40ern, die stärker, schöner und freier sind, als sie es vermutlich in ihren 20ern und 30ern jemals waren. Und die aber trotzdem oft mit ihrem Alter hadern, weil es eben ein Einschnitt ist, wenn man rein statistisch gesehen die Hälfte seines Lebens schon hinter sich hat.

Mich mit dieser Zahl anzufreunden und das 41. Lebensjahr zu „meinem“ Jahr zu machen, wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern. Aber die Zeit nehme ich mir – für mich selbst. Und vielleicht wird 2023 ja dann wirklich mein Jahr…

Herbst oder der Zauber des neuen Anfangs

Ali Yasser Arwand

Jeder Herbst löst in mir das gleiche Gefühl aus – das eines Neuanfangs. Die Luft ist wieder klar, und ebenso meine Gedanken. Zeit, ein paar Dinge in meinem Leben auf den Prüfstand zu stellen.

Neue Energie, um weiterzumachen – oder eben nicht

Wie denkt ihr über den Herbst? Was fühlt ihr, wenn draußen die Blätter fallen und die Temperaturen nur noch zur Mittagszeit über 12 Grad klettern? Wenn die erste Wehmut über den vergangenen Sommer und seine Leichtigkeit vergangen ist, macht mir der Herbst ein Geschenk: Ich denke über neue Anfänge nach. Ich spüre in mir wieder neue Energie, um weiterzumachen – oder vielleicht auch, um manches nicht weiterzumachen. Herbstgedanken, sofern sie sich nicht um das schwindende Licht und die stressige Vorweihnachtsorganisation drehen, sind bei mir gute Gedanken.

Um mich herum ist nicht mehr die lähmende Hitze des Sommers, die jeden anstrengenden Gedanken in ein „Später“ verwandelt. Das Später ist jetzt da, die Frage ist nur, was mache ich daraus?

Im Sommer schreit alles in mir nach Erholung

Das schönste Gefühl ist es, wenn sich die neu gewonnene Energie in etwas Schöpferisches, Kreatives verwandelt. In ein „Alles ist möglich, du musst dich nur etwas anstrengen“. Wenn ich nach dem Sommer, in dem alles um mich herum nach Urlaub und Erholung schrie, endlich wieder Träume und Wünsche habe, die über das pure Funktionieren hinausgehen.

Der Herbst lässt mich darüber nachdenken, was mir gerade wichtig ist. Welche Menschen möchte ich in meinem Leben haben? Welche Ziele lohnen sich für mich? Welche Chancen kann ich ergreifen? Was kommt dem Leben, das ich gerne leben möchte, am nächsten? Und welches Privileg ist das, sich überhaupt ein Leben aussuchen zu dürfen.

Lasse ich genug los?

Oft denke ich auch über eingefahrene Beziehungsmuster nach, sowohl in der Ehe als auch in Bezug auf Freunde. Welche Freundschaften sind wirkliche Freundschaften, und auf welche kann ich mich vielleicht nicht so ganz verlassen?

Ist in der Beziehung zu meinem Partner noch Vertrauen, Loyalität und ab und zu Leichtigkeit zu spüren? Die leichten Momente werden weniger, wenn man die Verantwortung für eine Familie gemeinsam trägt und immer wieder aufs Neue aushandelt. Wünsche ich mir mehr Leichtigkeit, und können wir sie vielleicht zusammen wieder herstellen?

Ich frage mich auch, welche Beziehung ich gerade zu meinem Kind habe, und ob es das ist, was ich mir gerade für uns beide wünsche. Ob wir an einem Punkt sind, mit dem ich zufrieden bin, oder ob wir uns für den Moment voneinander entfernen. Ob ich genug loslasse, damit er wachsen kann. Ob er nah genug bei mir ist, um sich sicher zu fühlen.

Was fühlt sich gut an, was sollte sich ändern?

Die Überschrift für alle Fragen lautet: Was fühlt sich gut an, und was sollte sich dringend ändern?

Der Herbst stellt mir viele Fragen, von denen ich die wenigsten sofort beantworten kann. Herbstlicht ist ein Schummerlicht, milchig und manchmal auch ein bisschen unheimlich. Dahinter zeichnen sich Schemen ab, die ich erst sehen kann, wenn ich näherkomme. Ich weiß aber, ich muss den Zauber eines neuen Anfangs genießen, solange er da ist. Die Neugier darauf, was die letzten Monate des Jahres mir noch bringen werden. Viel zu schnell ist diese Energie oft wieder verflogen.