Was, wenn Maaaaamaaaa nicht mehr kann?

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Als ich mich neulich mit einer Freundin traf, die zwei Kinder hat, fiel mir auf, wie unglaublich erschöpft sie war. An Erschöpfung und Müdigkeit im „normalen“ Maß haben wir uns ja mittlerweile gewöhnt, aber was, wenn der Beinahe-Burnout zum Dauerzustand wird?

Das Hamsterrad lässt grüßen

Das Hamsterrad lässt grüßen: Das dachte ich mir, als ich meine langjährige Freundin seit über einem Jahr mal wieder zu Gesicht bekam. Sie wirkte komplett ausgepowert, erschöpft, und nervlich am Ende. Das jüngere Kind, ein zweijähriges Mädchen, hielt sie jede Minute beschäftigt, der 5-jährige Junge war ebenfalls ein „Actionkind“, das sich kurz mal 5 Minuten zum Essen hinsetzen konnte, aber dann sofort wieder aufsprang und auf den Spielplatz wollte.

Meine Freundin und ihr Mann sprangen abwechselnd auf und rannten genervt rufend den umhertobenden Kindern hinterher, das Essen wurde kalt.

Einfach mal „nur sitzen“

Solche Situationen kenne ich von meinem Kind. Man sehnt ein paar Minuten Ruhe herbei, möchte einfach mal „nur sitzen“ und essen oder sich kurz unterhalten. Aber das Kind hat Hummeln im Hintern, und einmal mehr ertappen wir uns vielleicht dabei, wehmütig an die Zeit vor den Kindern zu denken, in der wir einfach nur stundenlang mit Freunden sitzen und uns in Ruhe austauschen konnten.

In der wir unsere Gespräche nicht in kleine Häppchen packen mussten, weil man länger als ein paar Minuten nie zusammen am Tisch sitzen kann. Zwischen „Julian, lass deine Schwester jetzt auch mal schaukeln“ und „Setz dich bitte jetzt hin und iss“ sprachen wir kurz über den letzten Ärger mit der Schwiegermutter, eine Antwort konnte ich nicht geben, denn da hängt der kleine Sohn schon kopfüber am Klettergerüst und ruft nach Maaaaaamaaaaaaa….

Trauma in der Corona-Zeit

Und irgendwo zwischen Kaiserschmarren und umgekippter Apfelschorle kommt dann auch ihre Fehlgeburt zur Sprache, die sie vor der zweiten Schwangerschaft hatte. Dieses traumatische Erlebnis mitten in der Corona-Zeit, das sie noch gar nicht richtig verarbeiten konnte. Die Enttäuschung darüber, wie wenig ihr Mann wirklich nachfühlen konnte, was da in ihr vorging. Sie wischt es weg, erledigt, vergangen, und geht zur Toilette.

Gezahlt wird in Etappen, denn bei drei kleinen Kindern muss immer eines dringend aufs Klo oder Windeln wechseln, und der Zeitpunkt muss abgepasst werden, denn irgendwer hat keine Wechselwäsche eingepackt, falls was danebengeht, und dann muss das Kind mit nasser Hose rumlaufen, und so warm ist es ja jetzt auch noch nicht, wir sind hier auf dem Berg…

Kleine Wesen mit eigenem Willen

Kinder sind so, und Kinder sind anders, und niemand weiß, was für eine kleine Persönlichkeit da auf die Welt kommt, wie sehr sie uns fordern und an unsere Grenzen bringen wird.

Das alles wird uns klar, wenn wir das kleine Wesen an unserer Seite zum ersten Mal wirklich als eigenständige Persönlichkeit betrachten. Mit Macken, Marotten und Vorlieben, und vor allem mit einem eigenen Willen.

Dennoch tut es mir weh, wenn ich die Erschöpfung sehe, die meiner Freundin im Gesicht geschrieben steht. Ihr Mann wirkt auch müde, aber er ist – trotz gerade begonnener beruflicher Selbstständigkeit – längst nicht so am Limit wie sie.

Sie hält an ihrem Traum fest

Trotzdem denkt sie über ein drittes Kind nach. Denn das war immer schon ihr Traum, drei Kinder. An diesem Traum hält sie fest, auch wenn das bedeutet, sich finanziell, körperlich und psychisch komplett an die Grenzen und darüber hinaus zu bringen.

Und die Erschöpfung, die Müdigkeit?

„Wir fahren jetzt auch bald mal ein paar Wochen weg“, sagt sie. Sie schaut mit einem schmalen Lächeln ihren Mann an, „Freust du dich schon?“ Doch der hat keine Zeit zu antworten, er hebt gerade Schnitzel-Stückchen vom Boden auf.

Kindergeburtstag – so gelingt er (möglichst) stressfrei

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Gerade ist unser Kleiner 4 Jahre alt geworden, und zum ersten Mal haben wir eine richtige Party für ihn veranstaltet. Coronabedingt konnten wir die letzten Jahre nicht mit mehreren Personen feiern, aber dieses Jahr wollten wir ihm die Freude an einer kleinen Feier einfach nicht nehmen. Zu ernst sind die Zeiten, und unsere Kinder haben die letzten zwei Jahre schon so viel mitgemacht. Da kam eine kleine Ablenkung gerade recht. Ein paar Erkenntnisse aus unserer Geburtstagsfeier und auch ein paar Erfahrungen von den Geburtstagsfeiern anderer Kids möchte ich hier mit euch teilen.

Wer kommt auf die Gästeliste?

Wenn ihr Kinder im Alter zwischen 2 und 5 Jahren habt, habt ihr wahrscheinlich eh bemerkt, dass der Ehrentitel „bester Freund“ oder „beste Freundin“ quasi im Stundentakt neu vergeben wird. Mit vielleicht einigen Ausnahmen ist der Freundeskreis eines Kleinkindes noch sehr volatil und wechselt ständig. Anstatt also alle potentiell besten Freund_innen einzuladen, haben wir uns auf eine Handvoll Kinder beschränkt, mit denen er momentan zu tun hat – und auch Kindern, die wir im privaten Umfeld öfters um uns haben und mit deren Eltern uns eine Freundschaft verbindet.

Sicherlich hätten wir noch einige Familien mehr einladen können, aber das kann man ja im Sommer bei angenehmeren Temperaturen in einem nahegelegenen Park oder im Hof nachholen. Die Faustregel, ungefähr so viele Kids einzuladen wie das jeweilige Kind alt wird, finde ich jedenfalls nicht schlecht. Vielen Kindern wird’s nämlich sonst auch zu viel. Besonders wenn ihr bei euch daheim feiert, ist es für euer Kind erstmal eine ganz schöne Herausforderung, die Gastkinder mit den heißgeliebten Spielsachen spielen zu lassen.

Mama und Papa am Rande des Nervenzusammenbruchs?

So ein Geburtstag für mehrere Personen macht richtig viel Arbeit. Und wenn man sich schon mit selbstgebackenem Kuchen (muss natürlich nicht sein!), crazy Deko und einzeln verpackten Geschenken selbst in den Mental-Load-Wahnsinn treibt, dann bitte wenigstens mit dem Partner oder der Partnerin, lieben Freunden oder vielleicht Oma und Opa zusammen. Geteiltes Geburtstagsleid ist halbes Leid. Und 25 Tütchen für die Kindergartengruppe packen ist eben mal nicht schnell nebenbei erledigt.

Dann wurden bei uns noch Getränke/Essen für die Erwachsenen gekauft, Deko-Artikel beschafft und die Wohnung ein bisschen auf Vordermann gebracht und halbwegs kindersicher gemacht. Und die ganze Chose soll ja auch nach der Party wieder abgebaut und aufgeräumt werden. Daher ist Arbeit aufteilen beim Kindergeburtstag das A und O! Wir haben den kleinen Mann sogar am Vorabend bei den Großeltern übernachten lassen, um in Ruhe alles vorbereiten zu können.

Kind XY isst nur vegan, gluten- und zuckerfrei

Ich für meinen Teil habe nicht explizit alle Nahrungsmittelunverträglichkeiten abgefragt, sondern darauf vertraut, dass mir die Eltern von sich aus Bescheid sagen, wenn ihr Kind beim Genuss von Haselnuss-Schokokuchen Ballonohren bekommt. Natürlich kann es nicht schaden, nochmal kurz zu fragen ob jeder alles essen darf (war bei uns zum Glück der Fall), aber ein vegan-glutenfreies Festmahl für einzelne Kinder auf den Tisch zu zaubern, ist dann schon die Masterclass der Gastgeberkunst und würde uns schlichtweg überfordern.

Als Ergänzung zum üppigen Kuchen gab es bei uns einfach ein paar Karotten- und Gurkensticks mit auf den Tisch, und ein Teil der abendlichen Pizza war fleischlos. Die Kids waren eh so ins Spiel vertieft, dass die meiste Zeit nur Baguette-Scheibchen im Vorbeirennen (ja, böses Weizenmehl!) gereicht wurden.

Es mögen die Spiele beginnen?

Um es kurz zu machen: Nicht bei uns. Ich für meinen Teil bin selbst kein Fan von Gesellschaftsspielen, hatte mir aber schon Gedanken gemacht, ob man gegen aufkommende Langeweile bei den Kindern ein paar altbewährte Partykracher heraussucht. Allerdings hat der Nachmittag dann gezeigt, dass Kinder in dem Alter (oder zumindest die Jungs) keinerlei vorgegebenen Spielideen brauchen.

Der Hype der Party, die festlich geschmückte Wohnung und die Geschenke sind schon „Programm“ genug gewesen für unsere Partygäste. Selbst wenn wir es unbedingt gewollt hätten, wäre es uns wahrscheinlich nicht gelungen, irgendeine Art von Spielprogramm durchzuziehen. Und falls ihr euch für eine Mottoparty à la Piraten, Unterwasserwelt, Einhorn-Prinzessinnenparty oder dergleichen entscheidet, findet ihr sicher jede Menge Anregungen für passende Spiele und Verkleidungen in den Weiten des Internets.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass es für etwas größere Kinder (und wenn Corona vorbei ist und wir uns irgendwann wieder „normal“ bewegen können) durchaus Sinn macht, den Geburtstag auszulagern und mit den Kindern zusammen ins Marionettentheater oder in die Kletterhalle zu gehen. Ein heißer Tipp aus meiner Familie für größere Kinder, der wahrscheinlich besonders die Jungs begeistert wird: für einen Nachmittag einen Platz zum Fußballspielen mieten und die Kinder einfach gemeinsam kicken lassen.

Irgendwann kommt der Meltdown

So sehr man sich auch Gedanken macht über die optimale Länge so einer Geburtstagsparty, ich habe die Erfahrung gemacht, dass jedes Geburtstagskind irgendwann mal kurz einen Punkt der Überforderung erreicht. Dann einfach da sein, kurz trösten, vielleicht auch mal rausnehmen aus dem Geschehen und dafür sorgen, dass keine totale Überreizung eintritt. Kurz ablenken, Essen und trinken anbieten oder auf Toilette gehen, bevor alles „heißläuft“.

Das ist zwar nicht ganz einfach, aber gerade für die Kinder, die die letzten Jahre coronabedingt keine größeren Kindergruppen bei sich zuhause empfangen konnten, kann es eine wohltuende kurze Pause sein. Schließlich ist das eigene Zimmer für die meisten Kids ein Heiligtum, das nur ausgewählte Personen betreten dürfen – ganz zu schweigen davon, wer wann wie mit den eigenen Spielsachen spielen darf. 

Es erfordert von unseren Kids ganz schön viel Kooperationsbereitschaft und Selbstbeherrschung, die Spielsachen gleich mit mehreren anderen Kindern zu teilen. Manche kleinen Geburtstagsgäste gehen mit den Sachen des Gastgeberkindes auch nicht besonders rücksichtsvoll um – da können schon mal Tränchen fließen. Macht euch daher auch keine Sorgen, wenn das gemeinsame Spiel nicht gleich 100 % harmonisch abläuft. In der Regel sucht sich jedes Kind ein bevorzugtes Spielzeug, und irgendwann finden sich dann die Kinder mit ähnlichen Interessen – ein bisschen wie im Kindergarten eben.

Dasselbe ist es bei den Eltern…

Falls ihr die Eltern der Kinder mit eingeladen habt, oder die Kinder noch nicht groß genug sind, um allein auf der Party zu bleiben, macht euch keinen Stress. Ihr schmeißt die Party in erster Linie für die Kids, die Eltern sind in dem Fall nur „schmückendes Beiwerk“. Und erfahrungsgemäß finden sich über die Kinder schnell gemeinsame Themen, die man bei einem Glas Sekt und einem Stück Kuchen bequatschen kann.

Meine größte Erkenntnis war also: Bloß nicht zu sehr stressen und sich selbst mit Erwartungen unter Druck setzen. Für euer Kind wird es so oder so ein ganz besonderer Tag werden – und das allein, weil es Geschenke bekommt, im Mittelpunkt steht und die Freunde zum Spielen da sind.

Was mir jetzt gut tut – Gedanken und Tipps von mir für einen erträglichen Januar.

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1. Ruhepausen gönnen

Auch und gerade für Leute mit Kind ein schwieriges Thema: Ruhepausen gönnen. Und zwar ohne schlechtes Gewissen.

Im Home Office besonders schwer, denn hier lauern überall Energiefresser (schnell mal Wäsche waschen, durchsaugen, ausmisten etc…).

Nehmt euch bewusst die Zeit, mal nichts zu machen. Wenn mein Blick dann auf To Dos fällt, die ich „mal eben schnell“ erledigen könnte, bis das Kind aus dem Kindergarten kommt, packe ich den Gedanken bewusst am Schopf und kämpfe dagegen an. Denn ja, wir sind darauf konditioniert, immer und überall das Maximum aus unserer Zeit rauszuholen. Selbst die kleinsten Verschnaufpausen zu optimieren, ist – zumindest für mich – aber nicht das Richtige. Ich befinde mich sozusagen gerade im Prozess der „Deoptimierung“: Ich möchte nicht mehr den Anspruch von Perfektion an mich und alles um mich herum stellen.

Das ständige Checken, ob alles so ist, wie ich es aus innerem Zwang heraus haben möchte, bringt mich in einen Zustand permanenter Unzufriedenheit. Schluss damit, habe ich mir fürs neue Jahr geschworen. Wenn mein Körper und mein Geist danach schreien, sich mittags nach der Arbeit für eine halbe Stunde hinzulegen, dann mache ich das.

 Gerade Leute, deren Kinder unruhig schlafen, wissen, wovon ich rede. Ein paar Minuten Ruhe bevor die „second shift“ losgeht und du das Kind betreust, können manchmal Wunder wirken, um dich wieder in Balance zu bringen. Gut sollte auch mal gut genug für uns sein – das hört und liest man zwar momentan öfters, aber es für sich selbst umzusetzen ist ziemlich schwer. Probiert es trotzdem mal aus – niemand wird euch dafür verurteilen außer ihr euch selbst. Und dagegen müssen wir angehen!

2. Einfach kommen lassen

Bedürfnisse von Kindern zu erfüllen, gehört mit zum anspruchsvollsten Job, den man als Mensch leisten kann. Irgendwann gerate ich als Mutter in ein Fahrwasser, in dem ich schon vorher erahnen will, was das Kind gleich brauchen könnte. Und versuche mich damit selbst zu überholen.

Die Folge: Hektik und Gereiztheit auf meiner Seite, genervtes Ignorieren auf Kinderseite. Deshalb mein Tipp: Einfach kommen lassen. Wenn das Kind Durst oder Hunger hat, wird es sich (im Normalfall) melden. Gerade Kinder ab 3, 4 Jahren sind schon ganz gut darin, ihre eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren. Wir müssen sie ihnen also nicht ständig in den Mund legen oder vorwegdenken.

3. Let me entertain you (not)

Kinder sind nach dem Kindergarten in der Regel erstmal durch. Mein Kind hat zwar im Weihnachtsurlaub einen Energieschub bekommen und performt jetzt auch mal gut und gerne 14 Stunden ohne Pause durch, aber abends merke ich dann deutlich wie anstrengend der Tag für ihn war. Deshalb: Nicht zuviel vornehmen am Nachmittag. Es kann zwar sein, dass euer Kind sich dann mal über Langeweile beklagt, aber auch die ist ja durchaus sinnvoll. Wer immer gesagt bekommt, was als nächstes zu tun ist, der braucht sich selbst nichts ausdenken.

Stattdessen sollten wir unsere Kleinen ruhig mal ein bisschen „durchhängen“ lassen, denn in der Regel finden sich schon nach wenigen Minuten durchaus neue Spiele und Spielsachen. Es ist also nicht nötig, sich ständig ein Entertainment-Programm auszudenken. Mein Sohn ist gerade in die heiße Phase des Überall-Helfenwollens eingetreten. Wenn mir also gar nichts einfällt, womit wir uns nachmittags beschäftigen könnten, bitte ich ihn, mir im Haushalt zu helfen oder „erfinde“ kleine Jobs für ihn. Der Tisch muss dringend abgewischt werden, das Besteck aus der Spülmaschine sortiert werden etc.

Es ist außerdem normal, dass sich Kinder nach der Kita oder dem Kindergarten nicht mehr längere Zeit auf ein Spiel konzentrieren können. Überlegen wir mal: Die Kleinen haben wenn sie zum Beispiel 5-6 Stunden in Betreuung waren, schon fast einen kompletten „Arbeitstag“ hinter sich. Wie ich mich nach 6-8 Stunden im Großraumbüro mit 15 anderen Personen fühle, don’t ask. So gesehen schon fast wieder ein Wunder, dass mein Sohn überhaupt noch Lust auf soziale Interaktion mit mir hat.

4. Escape from reality – ja bitte!

Her mit kitschigen Filmen, trashigen Serien und fesselnden Hörbüchern. Ich kann gerade gar nicht oft genug in fremde Welten flüchten. Der Realität den Rücken zu kehren und für eine kleine Weile abzutauchen ist wohltuend und gibt neue Energie für die anstrengenden Tage, die vor uns liegen.

Fühlt euch deshalb nicht schlecht, wenn ihr guilty pleasures nachgebt. Solange es euch die Kraft gibt, um weiterzumachen und euren Alltag besser zu bewältigen – bitte sehr. Wie wohltuend es ist, einfach mal was Seichtes im TV anzusehen wenn das Kind im Bett ist.

Kein Mord und Totschlag oder andere schwere Themen, die runterziehen, sondern einfach nur leichte Unterhaltung, die den Körper müde und den Geist ruhig macht. Natürlich sehe ich regelmäßig die Nachrichten, allein schon um coronatechnisch Up to date zu sein. Aber manchmal gönne ich mir auch mal einen Tag Pause vom allesbeherrschenden Thema Covid. Die Realität der Pandemie aka Omikron hat uns sowieso schon wieder eingeholt, obwohl das neue Jahr noch nicht mal drei Wochen alt ist. Gönnt euch also auch mal eine Pause vom Hier und Jetzt, und sucht euch Berieselung aus, die einfach nur gut für die Seele ist.

Hier ein paar Tipps für leichte Kost der letzten Zeit:

-Sisi (die neue Version auf RTL/Sky)

-Kitz (Netflix)

-Madame Mallory und der Duft von Curry (Netflix)

-Pedal the World (Netflix)

-Mein Lehrer der Krake (Netflix)

-The Bold Type (Amazon Prime)

-And Just Like That… ( Sky)

-Emily in Paris (Netflix)

5. Sport, Essen und so weiter

Dieses Jahr habe ich mir gar nicht erst die übliche Liste an guten Neujahrsvorsätzen in den Kopf gehämmert. Denn ich weiß, dass ich sie unter den momentanen Umständen sowieso nicht so umsetzen kann, wie ich es müsste. Vier Mal die Woche Sport zu treiben ist für mich momentan einfach kein realistisches Ziel. Kein Zucker, kein Alkohol, keine Snacks zwischen den Mahlzeiten – schaffe ich nicht. Und möchte ich auch nicht, weil ich gerade jetzt einfach jeden kleinen Kick für mein Belohnungszentrum feiere. Die großen Belohnungen wie Reisen, mit vielen Personen feiern und so weiter müssen momentan ja leider ausfallen.

Mein Zugeständnis an „neues Jahr, neuer Versuch“ ist stattdessen eine andere Strategie. Ich suche mir ein Ziel, das verhältnismäßig leicht zu erreichen ist, und ziehe daraus erstmal Bestätigung. Wenn ich es zum Beispiel schaffe, ein bis zwei Mal die Woche in der Mittagspause 20 Minuten spazieren zu gehen, ist das für mich schon ein beachtlicher Erfolg. Und auf diesem Erfolg lässt sich aufbauen. So sind Misserfolge nicht gleich einprogrammiert, und ich kann auf jeden noch so kleinen Schritt meinem Ziel entgegen stolz sein. Das motiviert mich mehr, als mir ehrgeizige Ziele zu setzen und dann immer wieder kläglich daran zu scheitern. Denn wer dreht schon sein ganzes Leben auf links, wenn er es nicht unbedingt muss?

6. Den Dingen auf den Grund gehen

Manchmal tut es als „Vorsatz“ fürs Jahr gut, hinzusehen und zu erkennen, was in unserem Leben wir ändern können, und was nicht. Die Weisheit, zwischen beiden zu unterscheiden, besitze ich zwar ganz oft noch nicht. Aber ich arbeite daran. Manche Dinge im Leben kann ich ändern, und dann lohnt es sich, dafür zu kämpfen. Andere Dinge sind wie sie sind, und das hat ganz oft gar nicht mal etwas mit uns zu tun.

Die Erkenntnis, dass wir nur auf eine begrenzte Anzahl an Dingen in unserem Leben direkten Einfluss haben, kann auch sehr erleichternd sein. Wir können vielleicht die Art und Weise ändern, wie wir selbst aufs Leben blicken. Können unsere Ängste ansehen und sie besiegen. Wir können darauf Einfluss nehmen, welche Dinge uns wichtig sind und welche unwichtig. Was wir unseren Kindern mitgeben für ihr Leben.

Wir können aber zum Beispiel nicht unseren Partner, unsere Eltern oder Freunde dazu bringen, die Dinge so zu sehen wie wir. Wir können sie nur bitten, sich in uns hineinzuversetzen. Wir können achtsam mit den Menschen umgehen, die wir lieben – und zwar jeden Tag. Und können sie bitten, es mit uns genauso zu machen. Und wir können und sollten uns den anstrengenden Alltag wo es nur geht, so angenehm wie möglich machen. Nicht auf Kosten anderer, aber für uns selbst und mit uns selbst. Wer weiß, was morgen ist, aber heute müssen wir irgendwie durch den Tag kommen.

Warum geben wir Frauen eigentlich immer so viel?

Die Erschöpfung der Frauen von heute ist mittlerweile fast schon Normalzustand. Überall wird über die ausgelaugte Frau und Mutter von heute diskutiert. Warum hören wir nicht endlich auf damit, uns emotional völlig zu verausgaben?

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Frauen, insbesondere Mütter und andere pflegende Personen, sind bereits im letzten Coronawinter an ihre Grenzen gekommen. Sehr viele von uns auch darüber hinaus. Und der nächste harte Winter steht uns schon bevor. Die Erschöpfung, die in der gleichzeitigen Belastung durch Erwerbsarbeit und Care-Arbeit während Corona ihren Höhepunkt fand, ist seit Jahren Thema in feministischen Diskussionen. Langsam findet das Thema nun auch Eingang in die Mainstream-Medien.

Viele sehen den Grund für die Erschöpfung darin, dass Frauen durch gesellschaftliche Erwartungen nicht nur dazu genötigt werden, ZU VIEL zu geben – sie werden dafür in vielerlei Hinsicht auch noch abgewertet.

Vom Ehrenamt zur Ariermutter

Die Frau als das sich ewig unterordnende, dienende Geschlecht – dieses Bild gibt es, seit es Religion gibt. Frauen dürfen in der heutigen katholischen Kirche zwar nach wie vor gerne Ehrenämter ausführen, verfügen aber trotzdem über lächerlich wenig Gestaltungsmacht. Hier und überall lautet das Motto: Gib gerne, denn dazu bist du geschaffen, aber erwarte nicht, dass du dafür etwas zurückbekommst. Im Nationalsozialismus fand dieses Frauenbild in der „deutschen Ariermutter“, die ihr Leben in den Dienst des Führers stellen, aber bitte keinerlei Ansprüche anmelden sollte, seinen Höhepunkt.

Heute stehen Frauen zwar nicht mehr ausschließlich (wenngleich meist noch neben dem Job) am Herd, aber die Rolle der Sorgenden hat sich fast 1:1 aufs Berufsleben übertragen. Dass Frauen wie selbstverständlich einen Großteil der miserabel bezahlten Jobs in Pflege und Kinderbetreuung übernehmen, heißt noch lange nicht, dass sie hier irgendeine Gestaltungsmacht hätten. Von Anerkennung kann ebenfalls nicht die Rede sein.

Das Ziel: Menschen zu helfen

Sorgen, aufopfern, kümmern – alles Dinge, die von uns erwartet werden, seit wir kleine Mädchen sind. Wenn Männer solche Berufe ausüben, geht damit fast automatisch ein hoher Status einher. Bestes Beispiel: der Arzt. Die Pflegerin, die Hebamme und die Krankenschwester können von so einem Status nur träumen, allenfalls reicht ihr Berufsbild als Projektionsfläche für männliche Fantasien. Dabei ist der Arztberuf an sich in meinen Augen ebenfalls ein „dienender Beruf“, dem zwar ein langes, anspruchsvolles Studium vorausgeht, der aber letzten Endes nur ein Ziel hat: Menschen zu helfen, und das jeden Tag.

Das ewige Aufopfern des weiblichen Geschlechts läuft aber nicht nur in Kirche und Job so, sondern auch im Privatleben: Ich kenne unzählige starke Frauen, die sich zuhause bis zur Erschöpfung um ihren Partner und die Kinder kümmern. Nicht nur übernehmen sie fast den kompletten Haushalt und betreuen (meist in Teilzeitjobs) nachmittags die Kinder, sondern sie fühlen sich auch noch für das mentale Wohl der Familie verantwortlich.

Der „Puffer“, der die schlechten Gefühle der anderen auf magische Weise in sich aufsaugt und abfedert. Und trotzdem noch die Energie aufbringt, mal kurz durchzusaugen und das Klo zu putzen. Am Ende sind meist auch noch sie es, die beim Paartherapeuten anrufen, um die Ehe zu retten.

Wenn Familienväter hingegen Zeit mit Ihren Kindern verbringen oder tatsächlich die Hälfte oder mehr Anteil an der Hausarbeit übernehmen, sich also in die Rolle des klassisch weiblichen Kümmerers begeben, ernten sie dafür von allen Seiten Aufmerksamkeit und Anerkennung. Und vergessen in der Regel auch nicht, sich ausgiebig selbst für ihr außergewöhnlich hohes Engagement zu loben.

Der Partner wird wieder zum Kind

Frauen ohne Kinder hingegen haben zwar nicht die Verantwortung für einen kleinen Menschen zu tragen, aber der Tenor ist bei vielen: Ich fühle mich für meinen Partner verantwortlich wie für ein Kind. In vielen Gesprächen mit Freundinnen war das der Grund Nummer eins für Unzufriedenheit und letzten Endes das Ende der Beziehung: Frauen rutschen dem Partner gegenüber in die Mami-Rolle, ohne es zu wollen.

Wie leicht es vielen Männern fällt, im Gegenzug wieder zurück in die Kinderrolle zu schlüpfen, ist erstaunlich, aber nachvollziehbar, denn: so bequem. Zugespitzt gesagt, wer immer nimmt, ohne auf emotionaler Ebene je etwas dafür zurückgeben zu müssen, der gewöhnt sich irgendwann an diesen himmlischen Zustand. Leider schwindet dann auch oft der Respekt für den Gebenden, denn der bzw. die scheint es ja gern zu tun.

Liebe wird selbstverständlich

Die Währung Liebe und Sorge wird so in vielen Beziehungen immer selbstverständlicher. Wenn Mann dann im Gegenzug einmal im Jahr Blumen mitbringt oder „Ich liebe dich“ sagt, ist das eine sensationelle Geste der Zuwendung, die gerne gewürdigt, aber bitte nicht zu oft wiederholt werden darf, damit Frau sich nicht zu sehr an diesen Luxus gewöhnt.

Männer, die ohne sich zurückzuhalten oder aufzurechnen einfach Liebe geben, sind scheinbar eine Seltenheit. Wir Frauen werden schon von klein an darauf vorbereitet, dass die Suche nach diesem männlichen „Einhorn“ eine Herkulesaufgabe ist. Und bis wir „ihn“ gefunden haben, geben wir einfach weiterhin noch ein bisschen mehr von uns.